Gibt es für die hohe Literatur nach Bernhard und Houellebecq eine Zukunft?

Dialog mit dem Alter Ego über die Lage der Geistesmenschen-/Künstlernovelle

“Ich wollte, ein Glas Mineralwasser vor mir, nach 20 Jahren wieder einmal Die Verwirrungen des Zöglings Törless von Musil lesen, was mir nicht gelungen ist. Erzählungen ertrage ich nicht mehr, lese eine Seite und bin unfähig, weiterzulesen. Beschreibungen ertrage ich nicht mehr. Andererseits war es mir aber auch nicht möglich, mir mit Pascal die Zeit zu vertreiben, die Pensées kannte ich alle auswendig und der Gefallen an Pascals Stil erschöpfte sich bald. So begnügte ich mich mit der Landschaftsbetrachtung.”

Thomas Bernhard. Der Untergeher, Frankfurt, 1983, S. 85f

 

Nd: Wir sollten uns einmal die Frage stellen, was mit uns passiert ist, wenn es uns so geht, wie dem Erzähler im obigen Zitat. Was ist los mit uns, wenn wir die Ruhe und Geduld nicht mehr finden, ein Textangebot, welches ohne Zweifel zum Kanon der Weltliteratur gehört, auf uns wirken und sich entwickeln zu lassen? Sind wir übersättigt, haben wir die intellektuelle Neugier verloren, oder geht’s uns einfach nur schlecht?

Antwort vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Thomas Bernhard meint wohl, dass dahinter ein Lebensüberdruss steht (siehe dazu Fußnote *), also eine geistige Übersättigung, ein Zuvertrautsein mit dem, was das intellektuelle Angebot der Welt hergibt.

Nd: Ist das auch die Meinung unseres Alter Egos?

AE: Sicher ist da was dran. Uns geht es etwa mit dem Kino- und Fernsehprogramm bis auf einige Ausnahmen ähnlich. Wie oft sind wir schon an der Langatmigkeit der Hinführung zum Thema verzweifelt, empfanden die propagierten Ansichten als vorhersehbar, oder wechselten den Kanal wegen üblicher Gestik und Mimik! Es kann also sein, dass wir einfach zu viel gesehen und gehört haben. Der Rückzug in die mediale, virtuelle Welt, egal ob alte oder neuen Medien, ist uns wohl nicht bekommen.

Nd: Noah denkt™ glaubt nicht, dass es am Medienkonsum oder am Überdruss liegt, dass wir diese Leseunlust verspüren. Schließlich ist es doch so, dass wir für Houellebecq und Bernhard immer noch die entsprechende Ruhe und Muße finden, – und das obwohl wir ihre Arbeit recht eigentlich kennen. Was hier abgeht, hängt unserer Meinung nach damit zusammen, dass die Lage in der digitalen Postmoderne so ernst geworden ist, dass sich Menschen, wie wir, nur noch denjenigen Texten öffnen können, die diesen Ernst in seiner Dringlichkeit verstanden und darauf originell und kompetent zu reagieren verstehen. Die alten Meister sind dazu verständlicherweise meist nicht in der Lage, weil sie das aktuelle Ausmaß der Banalisierung trotz aller Bemühungen nicht voraus zu erahnen vermochten. Denn wer konnte sich etwa in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorstellen, dass dereinst sogar Zeitungen nicht mehr gedruckt werden. Was aber die neuen Autoren angeht, so stehen sie schlichtweg vor dem Dilemma, dass mit Bernhard, Easton Ellis und Houellebecq das Wesentliche gesagt ist, und mithin keine Fortsetzung mehr nötig oder möglich ist.

AE: Wieso soll für die hohe Literatur keine Fortsetzung mehr möglich sein? Immerhin geht das Leben doch weiter und schreibt folglich auch neue Geschichten. Continue reading

Posted in In eigener Sache, Philosophie, Zukunft der Arbeit | Tagged , , | Comments Off on Gibt es für die hohe Literatur nach Bernhard und Houellebecq eine Zukunft?

Was würde Thomas Bernhard zum derzeitigen Stand der Finanzmärkte sagen?

Ein erregter Dialog mit dem Alter Ego

“Das solipsistische Ich ist ein krankes, gewiss, aber nur als krankes vermag es, so unterstellt Bernhard, die ganze Welt in ihrer Krankheit zu erkennen.”

Bernhard Sorg: Thomas Bernhard, München 1992, S. 77

 

Frage von Noah denkt™ (Nd): Wir haben kürzlich wieder bei Thomas Bernhard (1931-1989) nachgelesen („Der Untergeher“, Frankfurt, 1983). Auch mit dem Abstand einiger Jahre verliert sein Werk nichts von der Brillanz, die es seinerzeit bereits für uns hatte. Sein Thema, sein Urteil, seine Entschlossenheit und seine Radikalität sind einfach hervorragend und in der modernen Literatur weitgehend unerreicht. Wie immer, wenn wir Thomas Bernhard lesen, fließt sein Blickwinkel auch in unsere Betrachtung ein, und so kommt es also, das wir uns derzeit unwillkürlich fragen, was denn Bernhard wohl zum gegenwärtigen Finanzkapitalismus an sich und dem derzeitigen Stand der Märkte insbesondere sagen würde, wenn er denn heute noch lebte und arbeitete?

Antwort vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Nun, die sich unmittelbar aufdrängende Antwort ist ja wohl, dass er diesen Finanzkapitalismus verachtet hätte, so wie er auch Industrielle, Fabrikanten und andere Prachtexemplare des Bürgertums verachtet hat. Immerhin geht es ihm doch zunächst darum, die Bedrängnis darzustellen, in der sich diejenigen befinden, die ob der Reflexion ihres Leidens und der Nichtreflexion der sie umgebenden Nichtleidenden zum Geistesmenschen geworden sind.  In derlei Themenstellung ist ja wohl wenig Platz für die Wertschätzung eines Denkens, dessen oberste Priorität das Kaufmännische, also das sich selbst für selbstverständlich Nehmende ist.

Nd: Ja und Nein. Richtig ist, dass sich das Thema Finanzmarkt für Bernhard seinerzeit nicht stellt. Ihm geht es vor allem um die Aburteilung des österreichisch-deutschen Provinzialismus, der ständischen Selbstzufriedenheit und der bildungsbürgerlichen Selbstherrlichkeit.  Im krachledernen Mief der frühen 80er Jahre war eben das damals eher angloamerikanische Thema des Finanzkapitalismus noch nicht aktuell. In diesem Punkt unterscheidet sich Bernhard dann auch wie selbstverständlich von seinem Zeitgenossen Bret Easton Ellis, der die Relevanz des (Big Bang-)Finanzmarktkapitalismus schon in den 80er erkannt hat. Heute aber würde Thomas Bernhard an diesem Wall Street-Phänomen nicht vorbei kommen. Und wenn er sich denn diesem Thema unvoreingenommen stellen würde, dann würde er hoffentlich mit uns erkennen, dass dieser Finanzmarktkapitalismus, nicht nur jeglichen provinziellen Mief überwindet, sondern mittlerweile auch so hochgezüchtet und hochgedreht ist, dass darin nur noch Geistesmenschen mit Hang zur Selbstzerstörung einen echten, finanzwirtschaftlichen Mehrwert schaffen können. (Siehe dazu auch die Figur des “Onkel Georg”, in: Thomas Bernhard, Auslöschung, Frankfurt 1986). Dass dem so ist, hat etwas mit der Komplexität, der Umlaufgeschwindigkeit und der Interdependenz von allem zu allem zu tun, die diesen Finanzmarkt stets neu umhertreibt. Selbige Turbodynamik aber kann nur von Geistesakrobaten bewältigt werden, deren philosophische Selbstreflexion so weit fortgeschritten ist, dass ihnen die zum Teil selbstzerstörerische  Neigung ihres Wesens und das, der Welt nicht fremd ist.  Mit anderen Worten, wir glauben, dass sich der Widerspruch, den Bernhard seinerzeit noch zwischen Industriellen/ Finanzdienstleistern einerseits und Geistesmenschen andererseits gesehen hat, mittlerweile aufgelöst hat, so dass auch Bernhard, wenn er denn heute leben und arbeiten würde, sich eher einem Michael Burry oder Steve Eisman (siehe dazu Michael Lewis: The Big Short, New York 2010), als einem Vargas LLosa verbunden fühlen würde. Continue reading

Posted in Finanzen, Kapitalismus, Philosophie, Wirtschaft | Tagged , , , | Comments Off on Was würde Thomas Bernhard zum derzeitigen Stand der Finanzmärkte sagen?

Die etablierte Politik hat (noch) keine Antwort auf den Rechtspopulismus

Kommentar zu den Establishment-Reaktionen auf den Beinahe- FPÖ-Triumph in Österreich

Noah denkt™ hat mit viel Interesse die österreichischen Diskussionen im Nachgang zum Herzschlagfinale der dortigen Präsidentenwahl verfolgt. Denn zum ersten Mal schien es hier in einem Stammland Europas möglich zu sein, dass der Kandidat einer rechtspopulistischen Partei das höchste Amt im Staat übernimmt. Mit viel Aufwand seitens der etablierten Kräfte ist es am Ende aber mit denkbar knapper Mehrheit gelungen, den Sieg des FPÖ-Kandidaten Hofer zu verhindern. Übrig bleibt nun ein gespaltenes Land und eine zerrissene Wählerschaft.

Es war daher kein Wunder, dass im Nachgang der Wahl viel vom Brücken bauen, vom Gräben überwinden, und von einem Neuanfang die Rede war. Konkrete Vorschläge aber, wie dieser Neuanfang denn de facto aussehen und wie den Protestwählern die Zufriedenheit zurückgegeben werden könnte, waren allerdings Mangelware.  Und dass dem so ist, hat viel mit einer falschen Diagnose zu tun.  Denn trotz gewisser Fehler in Sachen Spar- und Zuwanderungspolitik ist es weder das eine, noch das andere, wo die eigentliche Wurzel des Übels zu suchen ist. Vielmehr sind es die sozialen Folgen der digitalen Revolution, die die Unzufriedenheit schafft, mit der wir bislang nicht zu Rande kommen. Noch nämlich wissen unsere Gesellschaften nicht, wie sie der wachsenden Entfremdung, der größeren Vereinzelung, dem zunehmenden Bewegungsmangel und den rasanten Arbeitsmarktveränderungen samt Lohndumping entgegen treten können. Und noch träumen die einen von einer weltfremden Rückkehr zum völkischen Gemeinsinn während die anderen in mehr oder weniger telegener Weise auf ein bereits erschöpftes „Weiter so“ setzen.

Die Wahrheit aber ist, dass in unserer digitalen Welt das Völkische ebenso tot ist, wie das Soziale auch nach dem etwa die Sozialhilfe nach wie vor strebt. Continue reading

Posted in Kapitalismus, Politik, Zukunft der Arbeit | Tagged , , | Comments Off on Die etablierte Politik hat (noch) keine Antwort auf den Rechtspopulismus

Der Staat muss Anreize schaffen, damit mit der vermehrten Freizeit sinnvoll umgegangen wird

Beobachtungen zur Herausforderung der digitalen Revolution

Die folgende Liste von Länder, die man leicht mit den üblichen Verdächtigen hätte erweitern könnte, spricht für sich selbst:

Island (nicht EU-Mitglied, nicht im Euro)

Österreich (EU- und Euro-Mitglied)

Spanien (EU-, und Euro-Mitglied)

Großbritannien (EU-Mitglied, nicht im Euro)

Frankreich (EU- und Euro-Mitglied)                                                 T

Südafrika  (nicht EU-Mitglied, nicht im Euro)

Brasilien  (nicht EU-Mitglied, nicht im Euro)

USA (nicht EU-Mitglied, nicht im Euro)

Türkei (nicht EU-Mitglied, nicht im Euro)

Alle genannten Staaten, die mit einigen wenigen Ausnahmen nicht dafür bekannt sind, instabil zu sein, durchleben in diesen Tagen eine Art politisches Erdbeben, oder zumindest eine politische Seelensuche. In Island sind Präsident und Regierungschef Opfer der Panama Papers geworden; in Österreich ist der Regierungschef wegen der sozialdemokratischen Selbstzerfleischung zurückgetreten; in Spanien steht nicht nur die territoriale Integrität, sondern auch die traditionelle Parteienlandschaft zur Disposition; das Vereinigte Königreiche befindet sich in einer Brexit-Seelensuche;  in Frankreich weiß man nicht, wie es mit den Sozialisten weitergehen soll; in Südafrika ist der ANC unfähig, sich von einem korrupten Präsidenten zu trennen; in Brasilien soll die Präsidentin abgesetzt werden oder auch nicht; in den USA revolutioniert ein ungeliebter Außenseiter das konservative Establishment; und in der Türkei versteht keiner, wohin der Präsident das Land führen will. Der Ausnahmezustand all überall ist also nicht zu leugnen.

Vielleicht wäre die oben aufgeführte Liste von vorneherein selbstverständlicher gewesen, wenn man ihr einige zivilgesellschaftliche Organisationen hinzugefügt hätte. Denn dort sieht’s nicht besser aus. Man denke nur an die Probleme der FIFA, der katholischen Kirche, der Volkswagen AG, der Printmedien, des Taxigewerbes, der Innenstadtläden, der Erdölindustrie, um nur einige zu nennen. Auch hier herrscht gelinde gesagt ein Zustand institutioneller Ratlosigkeit.

Dass die digitale Revolution an dieser Realität nicht schuldlos ist, wird kaum jemand bestreiten. Denn nicht nur würde es ohne Mobilfunktelefonie und ohne soziale Netzwerk keinen arabischen Frühling, keine Flüchtlingskrise und ergo auch keine Brexit-Debatte oder Regierungsumbildung in Österreich geben; – nein ohne den digital beschleunigten Kapitalismus und die damit verbundene digitale Öffentlichkeit würde es weder die Panama Papers, noch die Podemos- und Nuit debout-Bewegung, noch die große Zahl der amerikanischen Frustwähler geben. Es gibt da einfach kein Vertun. Die digitale Revolution krempelt unser aller Leben derart massiv um, dass es fortan nicht mehr ausreichen wird, es allein dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen, mit diesen Veränderungen fertig zu werden. Continue reading

Posted in Euro-Krise, Kapitalismus, Philosophie, Zukunft der Arbeit | Tagged , , , , | Comments Off on Der Staat muss Anreize schaffen, damit mit der vermehrten Freizeit sinnvoll umgegangen wird

Deutschland rückt einstweilen näher an das britische Europaverständnis heran

Dialog mit dem Alter Ego über die Erschöpfung im fünften Jahr der Eurokrise

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (Nd): Einen Tag bevor Griechenland sich zwischen „Nai“ und „Oxi“ entscheidet, hat sich die Alternative für Deutschland wählen müssen, ob sie lieber deutschnational (Petry) oder wirtschaftsliberal (Lucke) sein will. Die Entscheidung gestern ist für Petry gefallen. Die Entscheidung im Griechenland-Referendum wird vielleicht sogar in einem „Nai“, also in einem Votum gegen den gegenwärtigen Tsipras-Kurs enden. Wie dem auch sei, es ist wohl die wichtigere Frage, ob es ein Zufall ist, dass beide Entscheidungen fast auf den gleichen Tag herbeigeführt werden?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Wahrscheinlich nicht! Wahrscheinlich versteckt sich dahinter eine Symbolik, dessen volles Ausmaß wir jetzt noch nicht ermessen können.

AE: Was könnte denn dahinter stecken?

Nd: Nun, wir vermuten, dass Deutschland im fünftem Jahr der Eurokrise begriffen hat, dass der alte Traum einer politischen Union in Europa, mit so viel Minderung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit einhergeht, dass unser Land – wenigstens aktuell – keine Lust mehr an einer Vertiefung der Union hat. Continue reading

Posted in Euro-Krise, Internationale Beziehungen, Politik | Tagged , , , | Comments Off on Deutschland rückt einstweilen näher an das britische Europaverständnis heran

Auch in Spanien wird die Reformpolitik zwar abgestraft, aber nicht wirklich abgewählt

Dialog mit dem Alter Ego über die Lokal- und Regionalwahlen in Spanien

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Am 24.05 fanden in Spanien Regionalwahlen, statt, in denen Mariano Rajoy’s Partido Popular das schlechteste Ergebnis seit 20 Jahren zu verzeichnen hatte. Zwar ist die PP mit 27% nach wie vor die meist gewählte Partei in Spanien, allerdings verliert sie gegenüber den letzten Regionalwahlen 2,5 Mio Stimmen. In ihren Stammländer wie La Rioja, Murcia, Castilla-La Mancha und Castilla y León kann sie nicht mehr die absolute Mehrheit gewinnen. Und es scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt wahrscheinlich, dass sie in wirtschaftlich starken Regionen wie Madrid und Valencia nicht mehr an der Regierung beteiligt sein wird. Das wichtigste Ergebnis der spanischen Regionalwahlen ist wohl die Aufsplitterung der Parteienlandlandschaft. So wird es in vielen Regionen zu Koalitionsregierungen kommen müssen, bei denen Protestparteien wie Podemos und Ciudadanos das Zünglein an der Waage spielen werden. Dennoch ist auch der Erfolg der Anti-Aussteritätsbewegung Podemos duchwachsen. Zwar konnte sie in Barcelona und Madrid zur stärkten bzw. zweitstärksten Kraft werden, in anderen Landesteilen aber, wie z. B in Aragon, blieb sie hinter ihren Erwartungen zurück. Stimmt die Einschätzung etwa des ARD-Korrespondenten in Madrid, Stefan Schaaf, wonach man in dem spanischen Wahlergebnis vor allem eine schallenden Ohrfeige für die PP, sowie einen bemerkenswerten Linksrutsch (El País) sehen muss?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Wir meinen, dass das aktuelle Wahlergebnis für Mariano Rajoy’s Partido Popular gar nicht so schlecht, wie es zunächst empfunden wurde. In jedem Fall ist es eher eine Bestätigung für ihre Spar- und Reformpolitik, als es eine Ablehnung derselben ist. Immerhin ist es nur natürlich, dass die spanische Bevölkerung ein Ventil brauchte, um ihren Unmut über die Härten des Sparkurses deutlich zu machen. Man denke in diesem Zusammenhang nur an den dramatische Abstrafung, welche die Liberaldemokraten in Großbritannien vom Wahlbürger erhalten haben. Aber wie im Vereingten Königreich, so ist auch in Spanien die Unmutsäußerung der Bevölkerung so kalibriert, dass sie der Hauptregierungspartie zwar beträchtliche Verluste einbringt, letztlich aber ihren Status als stärkste Partei im Land nicht gefährdet. Das gleiche gilt übrigens auch für Katalonien, wo die regierende CIU die Bürgermeisterwahl in Barcelona verliert aber in der Provinz selbst mit 21,52 % die stärkste Partei bleibt. Mit anderen Worten, wir sehen hier dieselbe Entwicklung wie in Großbritannien, wonach die Bürger zwar ihren Schmerz zeigen, aber den Sparkurs grundsätzlich nicht aufgeben wollen.

AE: Dennoch muss der große Stimmenverlust der PP zu denken geben.

Nd: Nur bedingt. Man darf nicht vergessen, dass das PP-Ergebnis von 2011 noch vom Ausbruch der Finanzkrise geprägt war, und deshalb überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist. Es ist also nicht ganz fair, das Wahlergebnis von 2015 mit dem, von 2011 zu messen. Außerdem sollte man sich vor Augen führen, dass die Wahlbürger in Regional- und Lokalwahlen eher bereit sind, Protestparteien zu wählen, als dies in Nationalwahlen der Fall ist. Immerhin müssen sie in Regionalwahlen ja weniger fürchten, dass mit ihrer Entscheidung grundsätzliche Weichenstellungen verbunden sind, die sie so eigentlich nicht beabsichtigt hatten. Noah denkt™ ist also der Auffassung, dass die Aussichten der PP für die nächsten Bundeswahlen gar nicht so schlecht sind. Immerhin werden die nun gewählten Randparteien jetzt erst mal beweisen müssen, dass sie jenseits des Protestes auch zu konkreter, disziplinierter Parlaments- und Regierungsarbeit fähig sind. Denn dass ihnen dies gelingt, das ist so selbstverständlich nicht. Man denke hier nur an das selbstzerstörerische Beispiel, welches uns die AfD in Deutschland bietet. Continue reading

Posted in Euro-Krise, Finanzen, Internationale Beziehungen, Politik | Tagged , | Comments Off on Auch in Spanien wird die Reformpolitik zwar abgestraft, aber nicht wirklich abgewählt

Die Grenzen rein ökonomischer Analysen

Dialog mit dem Alter Ego über die Selbstzerstörung der AfD

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Am 19.05. hat der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke gemeinsam mit seinem Kollegen Olaf Henkel die Initiative Weckruf 2015 lanciert. Ziel des Aufrufs soll es sein, einen Selbstreinigungsprozess innerhalb der Alternative für Deutschland einzuleiten, an dessen Ende die Trennung vom deutschnationalen Flügel der AfD stehen soll. Damit ist der Machkampf in vollem Maße ausgebrochen, der schon länger zwischen dem AfD- Hauptinitiator Bernd Lucke und seiner stellvertretenden Vorsitzenden Frauke Petry geschwelt hat. Wie beurteilt Noah denkt™ die Entwicklung der AfD?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Nach unserer Ansicht zeigt sich in diesem Machtkampf bzw. in dieser Selbstauflösung der AfD, dass die wirtschaftswissenschaftlich wohl schlüssige Argumentation von Professor Lucke in Sachen Euro-Kritik am Ende eben doch nicht trägt, weil sie den politisch-historischen Kontext des Euros weitestgehend außer Acht lässt. Es ist nicht das erste Mal, dass es sich erweist, dass eine rein ökonomische Analyse ihrem Gegenstand nicht gerecht wird, weil sie auf Grund ihres eingeengten Blickwinkels zu kurz greift. Selbiges erleben wir auch in der aktuellen keynesianischen Debatte, über das angeblich notwendige Gelddrucken, um den Wirtschaftssubjekten ihre Zukunftsangst zu nehmen. Wir haben es auch vor der Finanzkrise 2008 erlebt, wo die forderungsbesicherten Schuldverschreibungen (CDOs) im US-subprime Markt angeblich nicht platzen konnten, weil es keine wirtschaftswissenschaftliche Evidenz gibt, die belegt, dass die Hauspreise in den USA flächendeckend übers ganze Land einbrechen könnten. Und wir erleben es jetzt wieder bei der AfD, dass die wirtschaftswissenschaftliche Erklärung von der Notwendigkeit unterschiedlicher Währungen im Nord-Süd-Gefälle des Euroraums, deshalb in sich zusammenbricht, weil sie der politisch-historischen Herausforderung nicht gerecht wird, die sich um die Eingliederung des deutschen Schwergewichts in das europäische Nationenkonzert rankt. Wir sind also nicht von der Selbstzerfleischung der AfD überrascht. Allenfalls wundert es uns, dass dieser Einbruch nicht länger auf sich hat warten lassen. Continue reading

Posted in Euro-Krise, Internationale Beziehungen, Politik | Tagged , , , | Comments Off on Die Grenzen rein ökonomischer Analysen

“Best-of Finance 2015” Auszeichnung für Noah denkt™

Pressemitteilung

Gerolstein/Eifel – Das Noah denkt™ – Projekt des Landei Selbstverlages, welches sich der philosophisch-spekulativen Wirtschaftsbeurteilung verschrieben hat, erhält auch in diesem Jahr die “Best of – Finance” – Auszeichnung der Initiative Mittelstand aus Karlsruhe.  Die Initiative Mittelstand ist eine Interessengemeinschaft von global denkenden Branchenkennern, Wissenschaftlern, IT-Experten und Fachredakteuren, deren Ziel es ist, mittelständischen Unternehmen dabei zu helfen, sich im grenzüberschreitenden, digitalisierten Wettbewerb immer wieder neu zu behaupten. Um diesem Ziel gerecht zu werden, lobt die Initiative Mittelstand Jahr für Jahr den Innovationspreis-IT aus. An diesem Wettbewerb hat Noah denkt™ im Jahre 2015 teilgenommen, und dabei die oben genannte Auszeichnung gewonnen. Der genaue Wortlaut der Auszeichnung lautet wie folgt:

——————————————————————————————————–

ZERTIFIKAT    –      BEST OF 2015

adf7e293599134777339fdc40ddfa818

Die Initiative Mittelstand prämiert mit dem INNOVATIONSPREIS-IT Firmen mit innovativen IT-Lösungen und hohem Nutzwert für den Mittelstand. Die Expertenjury zeichnet in dieser Kategorie mit dem Prädikat BEST OF 2015 aus:

Firma

LANDEI SELBST VERLAG

Produkt

Noah denkt™ – Projekt für philosophische Wirtschaftsbeurteilung.

Dieses ausgezeichnete Produkt hat die Jury besonders überzeugt und gehört damit zur Spitzengruppe aller eingereichten Bewerbungen. Der INNOVATIONSPREIS-IT der Initiative Mittelstand schlägt im zwölften Jahr die Brücke zwischen IT-Innovationen und dem Mittelstand. Der Schirmherr des diesjährigen INNOVATIONSPREIS-IT ist die Microsoft Deutschland GmbH.

 

Karlsruhe im März 2015

gez. Beate Heider                                         gez. Rainer Kolmel

Geschäftsleitung                                          Geschäftsleitung

—————————————————————————————————

Noah denkt™ bedankt sich an dieser Stelle herzlich bei der Initiative Mittelstand, den Jury Mitgliedern, und den Mitarbeitern des Huber Verlages für Neue Medien GmbH für die entgegen gebrachte Wertschätzung

 

Posted in In eigener Sache | Tagged , | Comments Off on “Best-of Finance 2015” Auszeichnung für Noah denkt™

An alle Euro und QE-Gegner: Aus eigener Kraft kann Deutschland keine diplomatische Auseinandersetzung mit Frankreich gewinnen!

Dialog mit dem Alter Ego über die deutsche Quantative Easing-Entrüstung

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Nachdem die Europäische Zentralbank am  Donnerstag, den 22.01. gegen die Stimmen der Bundesbank ein Billion-schweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen der Euro-Mitgliedsländer aufgelegt hat, ist der Unmut in Deutschland groß. Kritiker monieren nicht nur, dass die EZB damit ein Opfer der anglo-amerikanischen Deflationshysterie geworden sei, sondern sie sehen darin auch den ersten Schritt in eine gemeinschaftliche Schuldenhaftung, die bei EURO-Einführung so nicht vorgesehen war. Manche Beobachter in Deutschland gehen deshalb sogar so weit, in der gestrigen EZB-Entscheidung den Beginn des Endes des Euros zu erkennen. (siehe Prof. Kerber auf France24/). Wie beurteilt Noah denkt™ die Reaktion in Deutschland?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Wir hatten ja schon früher darauf hingewiesen, dass wir die Wachstumsprobleme im Euroraum nicht als Folge eines Liquiditätsmangels, sondern als Konsequenz einer ungenügenden zivilbürgerlichen Mündigkeit ansehen. Wir teilen also, bis zu einem gewissen Grad die Skepsis der deutschen Kommentatoren. Dennoch meinen wir, dass es nicht in deutschem Interesse ist, jetzt allzu lauter Zeter und Mordio zu schreien. Denn eins sollten diejenigen, die nun mit einer Distanzierung vom Euro-Projekt liebäugeln nicht vergessen: Die Geschichte hat gezeigt, dass Deutschland eine diplomatische Auseinandersetzung mit Frankreich nur dann gewinnen kann, wenn es die angloamerikanische Mehrheitsmeinung auf seiner Seite hat (siehe die amerikanische Unterstützung bei der Wiedergewinnung der deutschen Einheit; siehe auch das erfolgreiche amerikanische Gegengewicht gegen weitergehende französische Teilungsambitionen bei den Pariser Verhandlungen (1919); siehe auch die Unterstützung Großbritanniens bei der Durchsetzung von Merkels Austeritätspolitik).  In allen anderen Fällen ist die deutsche Diplomatie, den Werbe- und Überzeugungsfähigkeiten der französischen Seite hoffnungslos unterlegen. Dies bestätigt auch die aktuelle EZB-Entscheidung. Wer also eine Isolierung Deutschlands in Kauf nehmen will, schadet unseren nationalen Interessen. Continue reading

Posted in Euro-Krise, Internationale Beziehungen, Politik, Wirtschaft | Tagged , , , , | Comments Off on An alle Euro und QE-Gegner: Aus eigener Kraft kann Deutschland keine diplomatische Auseinandersetzung mit Frankreich gewinnen!

Ein bisschen zu forsch

Dialog mit dem Alter Ego über Matthias Weik und Marc Friedrich (Der Crash ist die Lösung)

Bei der nächsten Krise ist eine nochmalige Stabilisierung des Finanzsystems so gut wie ausgeschlossen. Die aufgestauten Risiken sind einfach zu groß, als dass da noch was zu »retten« wäre. Schon jetzt haben etliche »Krisenstaaten« mit epochalen Wirtschaftseinbrüchen, mit Rekordarbeitslosigkeit, maroden Banken und verheerender Staatsverschuldung zu kämpfen. Viel mehr, als den Bürgern auch noch das Wasser abzudrehen und das Atmen zu besteuern, bliebe ihnen dann nicht. Unser heutiges Finanzsystem hat eine mathematisch begrenzte Lebensdauer.  Sein finaler Kollaps kann lediglich verzögert werden.

Weik & Friedrich, Der Crash ist die Lösung, The Big Bang Theory

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In diesen Wochen und Monaten machen die Bestseller-Autoren Weik und Friedrich Furore mit ihren Thesen zum bevorstehenden wirtschaftlichen Zusammenbruch. (siehe oben). Mittlerweile schaffen sie es sogar in die traditionellen Freitagabend-Talk Shows.  Wir können also nicht mehr umhin, uns mit den Thesen der beiden zu befassen. Was also fällt Nah denkt™ zu den Ansichten von Weik und Friedrich ein?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Nun, Ausgangspunkt der Weik-Friedrichschen Analyse ist ja der Eindruck, dass das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem in beträchtlichem Maße überreizt und überspannt ist (siehe hohe Schuldenstände und hohe Arbeitslosigkeit allenthalben, siehe auch die komplizierte währungspolitische Verzahnung in Europa, die unausgewogenen Arm-Reich-Verteilung oder auch die extreme Überbewertung mancher Modeinvestments (Facebook, Uber etc…). Diesen Eindruck haben wir genauso. Nur sind wir angesichts dieser Stresssituation nicht so hektisch und nervös, wie die Kollegen Weik und Friedrich, die kaum drauf warten können, dass sich die aufgestaute Spannung in einem großen „Cash“ entlädt. Wir meinen vielmehr, dass man gerade in großer Not die angespannten Nerven behalten und Schritt für Schritt das Schiff wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen muss. Continue reading

Posted in Euro-Krise, Finanzen, Politik, Wirtschaft | Tagged , , | Comments Off on Ein bisschen zu forsch