Die gehobene Literatur stirbt, die Zeitungen sterben, und die FDP verschwindet auch

Dialog mit dem Alter Ego über den Ausgang der Bundestagswahl 2013

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Was sind aus Sicht von Noah denkt™ die wichtigsten Lehren aus dem Ergebnis der Bundestagswahl 2013?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Uns bewegt am meisten der Umstand, dass die FDP zum ersten Male in der Geschichte der Bundesrepublik an der 5%-Hürde gescheitert ist, und demzufolge nicht in den neuen Bundestag einziehen wird. Wir meinen, dass dies ein weiterer Hinweis darauf ist, dass sich die Gesellschaft grundlegend verändert, und dass wir bisher nicht einmal erahnen, wie weitreichend  die Konsequenzen dieser Veränderungen sein werden.

AE: Woher kommt der apokalyptische Unterton in Noah denkt™s Einlassung. Immerhin hat unser Projekt doch früher selbst die FDP heftig kritisiert?

Nd: Sicher haben wir immer wieder mit der FDP unsere Schwierigkeiten gehabt. Aber wir haben nie mit dem Wirtschaftsliberalismus an sich über Kreuz gelegen. Vielmehr hat uns die karrieristische Art und Weise gestört, mit der die leitenden Personen der FDP diesen Wirtschaftsliberalismus verkörpern. Die aktuelle Abstrafung der FDP aber ist vor allem durch die ideologische Ablehnung dieses Wirtschaftsliberalismus motiviert. Und das gibt uns zu denken.

AE: Warum?

Nd: Na, ja, es zeigt sich eben, dass es in unserer Gesellschaft immer weniger Verständnis dafür gibt, dass der Staat nicht alles und jedes regeln kann. Stattdessen nimmt die Zahl derjenigen zu, die lieber andern was wegnehmen wollen, als sich auf Gedeih und Verderb dem unwägbaren Ratschluss des anonymen Marktes zu überantworten.

AE: Und warum ist es so bedenklich, wenn sich diese Haltung durchsetzt?

Nd:  Weil damit die unternehmerische Initiative in der Gesellschaft abnimmt; weil so der Halbherzigkeit, der Inkonsequenz und der Selbstgerechtigkeit Vorschub geleistet wird; weil sich die Menschen dadurch weniger selbst in die Pflicht nehmen, und weil am Ende auch der Gemeinsinn unter der Bequemlichkeit leidet.

AE: Nun ist der Wohlstand in Deutschland ja nicht gerade das Produkt des Neoliberalismus. Vielmehr ist gerade die nach Ausgleicht strebende soziale Marktwirtschaft gewesen, die den Erfolg unseres Landes Deutschlands begründet hat. Es kann also keine Rede davon sein, dass der Wirtschaftsliberalismus unverzichtbar wäre.

Nd: Mag sein, dass es bei uns immer einen Primat des Staates gegenüber der individuellen Freiheit gegeben hat. Aber wenigstens hat es in der Vergangenheit eine parlamentarische Gruppierung gegeben, die sich nominell dem Gut der individuellen Freiheit verschrieben hat. Mit dem Ausscheiden der FDP ist nun aber diese Stimme verloren gegangen.

AE: Allerdings wird die Idee der Freiheit doch auch von anderen Parteien vertreten. Kann man nicht argumentieren, dass CDU oder Grüne den klassischen Liberalismus in sich aufgesogen haben, und so die FDP obsolet gemacht haben?

Nd: Keine der anderen Parteien verfolgt einen derart prinzipiellen Liberalismus, wie dies die FDP klassischerweise getan hat. Sowohl CDU, als auch Grüne setzten im Zweifel eher auf einen staatlichen Dirigismus. (Siehe Solarstromförderung, siehe Verbot nackter Leerverkäufe etc.) Daher wiegt der Verlust der nicht-dirigistischen Stimme im parlamentarischen  Geschäft besonders schwer.

AE: Wie wird es denn jetzt in der bundesdeutschen Gesellschaft weitergehen?

Nd: Wir vermuten, dass die FDP nicht die letzte Instanz sein wird, die aus dem öffentlichen Leben verschwindet. Wahrscheinlich wird es noch andere Plattformen der fokussierten Selbst- und Sozialreflexion treffen. Gleichzeitig werden diejenigen mehr Raum und Stimme bekommen, die sich in ihren Wertvorstellungen an den Reality Shows von RTL2 und anderen privaten Sendern orientieren.

AE: Die Zukunft sieht also düster aus?

Nd: Sicher, aber man darf die Hoffnung trotzdem nicht verlieren.

This entry was posted in Kapitalismus, Politik, Wirtschaft and tagged , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.