Die Grünen vermarkten sich neu

Dialog mit dem Alter Ego über die Markenkerndebatte der Grünen beim Berliner Parteitag

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Beim soeben zu Ende gegangenen Parteitag der Grünen in Berlin, welcher der Neuaufstellung der Grünen nach der verlorenen Bundestagswahl dienen sollte, war in abstrakter Form viel davon die Rede, dass man sich als grüne Partei nun wieder auf den eigentlichen Markenkern der grünen Bewegung besinnen müsse. Nun haben die Geister hinter Noah denkt™ seinerzeit ja den Parteigründungsprozess der Grünen aus einer damals noch sympathisierenden Nähe verfolgt. Wie würde Noah denkt™ dementsprechend den Markenkern der Grünen beschreiben?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Im Zentrum der grünen Bewegung stand damals das Unbehagen am technischen und wirtschaftlichen Fortschritt. Man wollte aus der blinden, kapitalistischen Wachstumsgesellschaft aussteigen, ohne dabei gleichwohl auf die erschreckenden Alternativkonzepte der stalinistischen Linksparteien zurückzugreifen. Stattdessen strebte man ein Umwelt- und sozialverträgliches Wachstum an, das über eine starke staatlicher Intervention herbeigeführt werden sollte. Über die konkrete politische Ausgestaltung dieses umweltverträglichen Wachstums machte sich gleichwohl nur am Rande und beiläufig Gedanken.

AE: Soll das heißen, dass die Grünen in erster Linie eine Protestpartei waren, die so recht gar nicht an die Regierung kommen wollte?

Nd: So muss man das wohl sagen.

AE: Was bedeutet denn dann der Slogan von der Rückbesinnung auf den Markenkern für die Zukunft der Grünen?

Nd: Na, ja die Radikalität des Fortschrittsunbehagens, welches die Grünen am Anfang kennzeichnete, wird wohl nicht mehr zu reaktivieren sein. Das zeigt ja schon der Umstand, dass man sich eines betriebswirtschaftlichen Vermarktungsbegriffs bedient, um die aktuelle Nabelschau zu begründen. Nein, auch die Grünen sind jetzt gelassener, zynischer und indifferenter gegenüber dem allgemeinen Lauf der Dinge geworden. Auch sie sind von der Realität des modernen Daseins eingeholt und ausgelaugt. Und so wird es ihnen also kaum gelingen, in der ohnehin ständig empörten Gegenwart noch eine ehrliche Entrüstung glaubwürdig zu verkörpern.

AE: Okay, die ursprüngliche Radikalität der Grünen ist also ein für allemal verloren. Was bleibt denn jetzt noch vom Gedanken der Neupositionierung übrig? Bzw, wie wollen die Grünen in Zukunft Wahlen gewinnen?

Nd: Nun, wer genau hinsieht, der weiß, dass die Grünen deshalb gewählt werden, weil es einen festen Stamm von Wählern gibt, die sich um die Umwelt so sehr sorgen, dass sie für dieses Unbehagen auch einen politischen Ausdruck suchen. Dass es den Grünen bei der letzten Wahl nicht gelungen ist, über diese Stammwähler hinaus weitere Stimmen zu gewinnen, hat mehr mit ihrem verbrauchten Führungspersonal, als mit inhaltlichen Positionen zu tun. Die Wähler hatten einfache die alte rhetorische Leier von Künast und Co. satt. Und es wird jetzt an der neuen Führungsspitze sein, mit originellen Diskussionsbeiträgen neue Reizpunkte zu setzen.

AE: Und wie beurteilt Noah denkt™ dieses neu gewählte Führungspersonal?

Nd: Die Nachdenklichkeit von Frau Göring-Eckhart ist sympathisch. Dennoch muss das neue Team aufpassen, dass es nicht zu leisetreterisch und langweilig daher kommt.

AE: Na, ja gegen die Leisetreterei haben sie ja den Cem Özdemir?

Nd: Nur leider wandelt der Herr Özdemir zu sehr auf den alten Berufsentrüstungspfaden. Nee, es wird letztlich auf Frau Göring-Eckhart und ihre Originalität ankommen, wenn die Grünen bei den kommenden Wahlen mehr, als zuletzt erreichen wollen.

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