Ein bisschen zu forsch

Dialog mit dem Alter Ego über Matthias Weik und Marc Friedrich (Der Crash ist die Lösung)

Bei der nächsten Krise ist eine nochmalige Stabilisierung des Finanzsystems so gut wie ausgeschlossen. Die aufgestauten Risiken sind einfach zu groß, als dass da noch was zu »retten« wäre. Schon jetzt haben etliche »Krisenstaaten« mit epochalen Wirtschaftseinbrüchen, mit Rekordarbeitslosigkeit, maroden Banken und verheerender Staatsverschuldung zu kämpfen. Viel mehr, als den Bürgern auch noch das Wasser abzudrehen und das Atmen zu besteuern, bliebe ihnen dann nicht. Unser heutiges Finanzsystem hat eine mathematisch begrenzte Lebensdauer.  Sein finaler Kollaps kann lediglich verzögert werden.

Weik & Friedrich, Der Crash ist die Lösung, The Big Bang Theory

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In diesen Wochen und Monaten machen die Bestseller-Autoren Weik und Friedrich Furore mit ihren Thesen zum bevorstehenden wirtschaftlichen Zusammenbruch. (siehe oben). Mittlerweile schaffen sie es sogar in die traditionellen Freitagabend-Talk Shows.  Wir können also nicht mehr umhin, uns mit den Thesen der beiden zu befassen. Was also fällt Nah denkt™ zu den Ansichten von Weik und Friedrich ein?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Nun, Ausgangspunkt der Weik-Friedrichschen Analyse ist ja der Eindruck, dass das internationale Wirtschafts- und Finanzsystem in beträchtlichem Maße überreizt und überspannt ist (siehe hohe Schuldenstände und hohe Arbeitslosigkeit allenthalben, siehe auch die komplizierte währungspolitische Verzahnung in Europa, die unausgewogenen Arm-Reich-Verteilung oder auch die extreme Überbewertung mancher Modeinvestments (Facebook, Uber etc…). Diesen Eindruck haben wir genauso. Nur sind wir angesichts dieser Stresssituation nicht so hektisch und nervös, wie die Kollegen Weik und Friedrich, die kaum drauf warten können, dass sich die aufgestaute Spannung in einem großen „Cash“ entlädt. Wir meinen vielmehr, dass man gerade in großer Not die angespannten Nerven behalten und Schritt für Schritt das Schiff wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen muss.

AE: Wie soll das gehen?

Nd: In dem man sich bemüht, im Tagesgeschäft das Richtige zu tun und grob in eine neue post-Keynesianische Richtung steuert. Was das konkret bedeutet, haben wir an anderer Stelle bereits anklingen lassen.

AE: Warum sehen die Kollegen Weik und Friedrich das nicht genau so?

Nd: Möglicherweise sind sie noch zu jung, um das Gefühl der Malaise, das sie umgibt, ruhig und entspannt zu erdulden, und keine schnelle Erlösung davon zu brauchen.

AE: Weik und Friedich würden allerdings argumentieren, dass jedes Zuwarten, jedes „Weiter so“ die immanenten Spannungen im System nur noch weiter verschärft, so dass der Zusammenbruch am Ende noch viel schlimmer sein wird, als er es wäre, wenn man ihn jetzt, gewissermaßen prophylaktisch herbeiführt.

Nd: Wieviel schlimmer kann ein späterer Zusammenbruch sein, wenn die Schuldenstände jetzt schon so dramatisch hoch sind, wie sie sind, und wie Weik und Friedrich nicht müde werden, uns zu verdeutlichen? – Nein, nein, die Folgen eines zeitnahen Crashes würden bereits verheerend genug sein, als dass man diese jetzt noch mutwillig anstreben könnten. Ein Mehr von derselben Verheerung später kann da kein überzeugendes Argument sein.

AE: Dennoch stimmt es wohl, dass es auch in Zukunft immer wieder Wirtschaftszusammenbrüche geben wird?

Nd: Sicher. Nur der Zeitpunkt liegt weitgehend im Dunkeln. Klar ist nur, dass ein solcher Crash nicht kommen wird, wenn er in so prominenter Weise erwartet wird, wie dies aktuell der Fall ist. Eher braucht es dazu im Vorfeld eine breite Wachstumseuphorie, von deren Präsenz gegenwärtig aber nicht die Rede sein kann.

AE: Wenn es also so ist, wie Noah denkt™ behauptet, und die Qualität der Weik-Friedrichschen Analysen letztlich an der mangelnden Introspektion der beiden Analysten leidet, was ist dann von ihren übrigen Thesen zu halten? Z.B: Ist es richtig, dass man sich auf den Einlagensicherungsfonds nicht verlassen kann, dass es besser ist, in schuldenfreie Sachwerte, als in Papierwerte zu investieren, dass man einen Teil seines Bargeldes lieber zu Hause, als bei der Bank aufbewahren sollte, und dass die Banken als Krisenverursacher die eigentlichen Krisengewinner sind?

Nd: Nun die Aktionäre der Deutschen Bank oder von Credit Suisse, um nur einige zu nennen, gehören sicher nicht zu den Krisengewinnern. Und was die übrigen oben zitierten Aussagen angeht, so ist da ab und an wohl was Wahres dran (z.B, in Sachen Einlagensicherungsfonds und potentiell verstelltem Zugang zu bei der Bank angelegtem Vermögen) aber generell wird bei Weik und Friedrich eine Dringlichkeit in den Raum gestellt, die uns ihrerseits überreizt und überspannt vorkommt. Wir teilen deshalb ihre Einschätzungen eher nicht.

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