An alle Euro und QE-Gegner: Aus eigener Kraft kann Deutschland keine diplomatische Auseinandersetzung mit Frankreich gewinnen!

Dialog mit dem Alter Ego über die deutsche Quantative Easing-Entrüstung

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Nachdem die Europäische Zentralbank am  Donnerstag, den 22.01. gegen die Stimmen der Bundesbank ein Billion-schweres Programm zum Kauf von Staatsanleihen der Euro-Mitgliedsländer aufgelegt hat, ist der Unmut in Deutschland groß. Kritiker monieren nicht nur, dass die EZB damit ein Opfer der anglo-amerikanischen Deflationshysterie geworden sei, sondern sie sehen darin auch den ersten Schritt in eine gemeinschaftliche Schuldenhaftung, die bei EURO-Einführung so nicht vorgesehen war. Manche Beobachter in Deutschland gehen deshalb sogar so weit, in der gestrigen EZB-Entscheidung den Beginn des Endes des Euros zu erkennen. (siehe Prof. Kerber auf France24/). Wie beurteilt Noah denkt™ die Reaktion in Deutschland?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Wir hatten ja schon früher darauf hingewiesen, dass wir die Wachstumsprobleme im Euroraum nicht als Folge eines Liquiditätsmangels, sondern als Konsequenz einer ungenügenden zivilbürgerlichen Mündigkeit ansehen. Wir teilen also, bis zu einem gewissen Grad die Skepsis der deutschen Kommentatoren. Dennoch meinen wir, dass es nicht in deutschem Interesse ist, jetzt allzu lauter Zeter und Mordio zu schreien. Denn eins sollten diejenigen, die nun mit einer Distanzierung vom Euro-Projekt liebäugeln nicht vergessen: Die Geschichte hat gezeigt, dass Deutschland eine diplomatische Auseinandersetzung mit Frankreich nur dann gewinnen kann, wenn es die angloamerikanische Mehrheitsmeinung auf seiner Seite hat (siehe die amerikanische Unterstützung bei der Wiedergewinnung der deutschen Einheit; siehe auch das erfolgreiche amerikanische Gegengewicht gegen weitergehende französische Teilungsambitionen bei den Pariser Verhandlungen (1919); siehe auch die Unterstützung Großbritanniens bei der Durchsetzung von Merkels Austeritätspolitik).  In allen anderen Fällen ist die deutsche Diplomatie, den Werbe- und Überzeugungsfähigkeiten der französischen Seite hoffnungslos unterlegen. Dies bestätigt auch die aktuelle EZB-Entscheidung. Wer also eine Isolierung Deutschlands in Kauf nehmen will, schadet unseren nationalen Interessen.

AE: Warum ist die französische Diplomatie von Hause aus der deutschen Position überlegen?

Nd: Dass dem so ist, hat mit dem Erdbeben von 1871 zu tun, als sich die Großmacht Preussen, mit den Mittelmächten Bayern und Württemberg zu einem politisch-wirtschaftlichen Giganten in der Mitte Europas zusammengeschlossen hat, der bei allen seinen Nachbarn nur ein gewisses Unbehagen hervorrufen konnte. An dieser grundsätzlichen Ausgangsposition hat sich trotz zwischenzeitlichem Wohlwollens gegenüber Deutschland bis heute nichts geändert.  Es wird der französischen Diplomatie daher immer möglich sein, innerhalb Europas schnell eine internationale, anti-deutsche Koalition zusammenzustellen, wenn es der Regierung in Paris für geboten hält. Es kann für Deutschland folglich keine andere Politik-Option geben, als die, die bisherige Politik der Nähe, sowohl zu Frankreich, als auch zu den angelsächsischen Ländern, fortzuführen.

AE: Bedeutet dies also, das Deutschland die aktuelle EZB-QE-Kröte schlucken sollte?

Nd: Absolut

AE: Und was heisst das für die Zukunft: Wird Deutschland ob seiner diplomatischen Unterlegenheit am Ende keine andere Wahl haben, als dem Drängen der Südländer nach Einführung von Eurobonds nachzugeben?

Nd: Das ist durchaus wahrscheinlich. Allerdings wird niemand im Falle des Falles unser Land daran hindern können, den Südländern diesbezüglich immer wieder die Wahrheit zu sagen.

AE: Und wie sieht das konkret aus?

Nd: Niemand wird Deutschland in dieser Situation davon abhalten können, die Südländer wiederholt, – auch öffentlich -, zu fragen, ob sie sich nicht dafür schämen, von Deutschland und anderen Sozialhilfe zu beanspruchen, nur weil sie zu inkompetent sind, wettbewerbsfähig zu sein?

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