Die Grenzen rein ökonomischer Analysen

Dialog mit dem Alter Ego über die Selbstzerstörung der AfD

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Am 19.05. hat der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke gemeinsam mit seinem Kollegen Olaf Henkel die Initiative Weckruf 2015 lanciert. Ziel des Aufrufs soll es sein, einen Selbstreinigungsprozess innerhalb der Alternative für Deutschland einzuleiten, an dessen Ende die Trennung vom deutschnationalen Flügel der AfD stehen soll. Damit ist der Machkampf in vollem Maße ausgebrochen, der schon länger zwischen dem AfD- Hauptinitiator Bernd Lucke und seiner stellvertretenden Vorsitzenden Frauke Petry geschwelt hat. Wie beurteilt Noah denkt™ die Entwicklung der AfD?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Nach unserer Ansicht zeigt sich in diesem Machtkampf bzw. in dieser Selbstauflösung der AfD, dass die wirtschaftswissenschaftlich wohl schlüssige Argumentation von Professor Lucke in Sachen Euro-Kritik am Ende eben doch nicht trägt, weil sie den politisch-historischen Kontext des Euros weitestgehend außer Acht lässt. Es ist nicht das erste Mal, dass es sich erweist, dass eine rein ökonomische Analyse ihrem Gegenstand nicht gerecht wird, weil sie auf Grund ihres eingeengten Blickwinkels zu kurz greift. Selbiges erleben wir auch in der aktuellen keynesianischen Debatte, über das angeblich notwendige Gelddrucken, um den Wirtschaftssubjekten ihre Zukunftsangst zu nehmen. Wir haben es auch vor der Finanzkrise 2008 erlebt, wo die forderungsbesicherten Schuldverschreibungen (CDOs) im US-subprime Markt angeblich nicht platzen konnten, weil es keine wirtschaftswissenschaftliche Evidenz gibt, die belegt, dass die Hauspreise in den USA flächendeckend übers ganze Land einbrechen könnten. Und wir erleben es jetzt wieder bei der AfD, dass die wirtschaftswissenschaftliche Erklärung von der Notwendigkeit unterschiedlicher Währungen im Nord-Süd-Gefälle des Euroraums, deshalb in sich zusammenbricht, weil sie der politisch-historischen Herausforderung nicht gerecht wird, die sich um die Eingliederung des deutschen Schwergewichts in das europäische Nationenkonzert rankt. Wir sind also nicht von der Selbstzerfleischung der AfD überrascht. Allenfalls wundert es uns, dass dieser Einbruch nicht länger auf sich hat warten lassen.

AE: Kann man wirklich behaupten, dass der aktuelle Selbstorientierungsprozess der AfD vor allem mit einer verirrten Euroanalyse zu tun hat? Ist es nicht vielmehr so, dass eine junge Partei ganz selbstverständlich durch allerlei interne Wallungen gehen muss, ehe sie ihre Solidität gefunden hat. Man denke hier nur an die unendlichen Flügelkämpfe, die es zwischen Fundis und Realos innerhalb der Grünen gegeben hat.

Nd: Sicher gibt es dieses Problem des jungen Weins, der sich in seinen Schläuchen erst austoben muss, ehe er zu seiner stillen Tiefe kommt. Der Unterschied zwischen Grünen und AfD besteht aber darin, dass bei den Grünen eine High-Profile-Abspaltung so recht nie im Raum stand (- Jutta Ditfurth war innerhalb der Grünen bereits marginalisiert, ehe sie die wenig erfolgreiche Ökologische Linke gegründet hat -). Außerdem wurde bei den Grünen keinem Parteivorsitzenden der Zugriff auf den internen Mitgliedsverteiler verwehrt, und es hat auch nicht jene Feindseligkeiten zwischen Vorsitzendem und Vize gegeben, die auf der Petry-PK vom 19.05. offen zu Tage getreten sind. Mit anderem Worten, Marktliberale und Deutschnationale stehen sich bei der AfD viel unversöhnlicher gegenüber, als dies zwischen den grünen Realos und Fundis der Fall war. Dass es diese Unvereinbarkeit der Positionen innerhalb der AfD aber gibt, das hat letztlich damit zu tun, dass der ursprüngliche, wirtschaftswissenschaftliche Anti-EURO-Ansatz der AfD nicht genug trägt.

AE: Man könnte auch argumentieren, dass der Ansatz von Lucke und Henkel deshalb nicht ausreicht, weil er medial und politisch nicht gewollt ist.

Nd: Sicher kann man hier und da in der Berichterstattung den Eindruck gewinnen, dass da auch ein wenig Hetze im Spiel ist. Fakt ist aber auch, dass Lucke und Henkel genug Art-Time eingeräumt wurde. Man kann also hier nicht von einem orchestrierten Totschweigen sprechen. Eher ist das Gegenteil der Fall.

AE: Hat sich die Eurokritik à la Lucke damit also selbst erledigt?

Nd: Ein Stückweit schon.

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