Die Sympathien sind zu klar verteilt

Dialog mit dem Alter Ego zur öffentlich-rechtlichen Berichterstattung über Mitt Romney, erster Entwurf erstellt am 30.08., veröffentlicht am 01.09.2012

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Bei den Kollegen der öffentlich-rechtlichen Sender scheint es eine ausgemachte Sache zu sein, dass man mit dem US-Präsidentschaftskandidaten Romney nun wirklich nicht mitfiebern kann. Immerhin ist Letzterer ja so sehr gegen eine Börsenumsatzsteuer, gegen eine universale Krankenversicherung, gegen eine Einschränkung des Waffenhandels und gegen eine dirigistische Klimapolitik, dass man seine Positionen hierzulande kaum noch vermitteln kann. Stimmt Noah denkt™ dieser Beobachtung zu?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Es ist richtig und gleichzeitig auch erschreckend, dass sich die öffentlich-rechtlichen Medien so sehr schwer damit tun, die Freiheitsphilosophie des Kandidaten Romney zu verstehen. Schließlich kracht es ja auch bei unserer Sozialstaatsutopie ganz schön im Gebälk. Und so wäre es durchaus angebracht, hier und da mal kritisch über andere Alternativen nachzudenken. Aber vielleicht geht’s den betreffenden Journalisten in ihren sozial gesicherten Jobs einfach zu gut, als dass sie der Wirklichkeit jetzt noch offen und ehrlich in Augenschein nehmen könnten.

AE: Welches Krachen im Gebälk der sog. Sozialstaatsutopie ist denn hier gemeint?

Nd: Na, ja, man denke nur an den Ärztemangel insbesondere im ländlichen Raum, an die auf dem Kopf stehende Bevölkerungspyramide, an die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse, den Mitgliederschwund bei Parteien, den Anstieg des Extremismus, die Verschuldung der Länder und Kommunen und so weiter und so fort.

AE: Was hat der Mitgliederschwund bei Parteien oder der Anstieg des Extremismus mit den Sozialversicherungen zu tun? Immerhin haben Letztere ja im vergangenen Jahr einen Überschuss erwirtschaftet.

Nd: Aus unserer Sicht führen die herrschenden Sozialstaatsvorstellungen leider auch zu einer Verkrustung und Verknöcherung der Gesellschaft. Man muss sich deshalb angesichts der so entstehenden Selbstgefälligkeit nicht wundern, wenn sich immer mehr Menschen aus der Verantwortung für unser Gemeinwesen zurückziehen, und vor lauter Unzufriedenheit nun nicht mehr teamfähig oder sozialverträglich sind.

AE: Nun sind die Probleme im ach so freien Amerika ja keineswegs kleiner, als hier. Auch dort gibt es Staatsverschuldung, Politikverdrossenheit, Arbeitslosigkeit und Massenschiessereien. Es ist also kaum einzusehen, was Europa von der anderen Seite des großen Teiches lernen könnte.

Nd: Was man von Romney lernen kann, ist, dass man sich wenigstens darum bemüht, eine Dynamik zu finden, und sich nicht damit abfindet, dass man selbst kaum was bewegen kann.

AE: Aber auch in Europa werden doch allerhand strukturelle Reformen durchgeführt. Auch hier wird allenthalben der Kündigungsschutz gelockert und soziale Sicherung runter gefahren. Wir sehen nicht, wie man hier davon sprechen kann, dass es hierzulande keine Dynamik gebe.

Nd: Der Unterschied ist, dass hierzulande jede Veränderung nur in homöopathischen Dosen zulässig ist. Denn mehr scheint die allgemeine Leidenschaftslosigkeit nicht zu vertragen.

AE: Das sehen die Indignados in Spanien und anderswo anders.

Nd: Na, ja es herrschen in unseren Breiten halt andere, schmerzempfindlichere Vorstellungen davon, was zumutbar ist.

AE: Und doch ist Europa damit bis jetzt ganz gut gefahren.

Nd: Fakt ist aber auch, dass Europa dabei ist, im Weltmaßstab an Relevanz zu verlieren. Da wird man schon darüber nachdenken müssen, ob ein einfaches „Weiter so“ jetzt noch angebracht ist.

AE: Mag sein. Aber ob Romeny hier die richtigen Orientierungen liefert, ist zu bezweifeln.

Nd: Dennoch meint Noah denkt™, dass man seinen wirtschaftspolitischen Ansätzen mal eine Chance geben sollten, – wenn schon nicht hier, dann wenigstens in Amerika.

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