Deutschland hätte in Mali (von Anfang an) an Frankreichs Seite stehen müssen

Dialog mit dem Alter Ego über eine verpasste Chance, erstellt und veröffentlicht am 13.01.13

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Am Freitag der vergangenen Woche hat Frankreich erklärt, dass es nun mit eigenen Truppen (Jagdflugzeuge, Hubschrauber und einige Hundert Soldaten von Spezialeinheiten) in Mali intervenieren wird, um den Vormarsch der Islamistischen Rebellen Nordmalis auf Bamako zu stoppen. Deutschland hat daraufhin deutlich gemacht, dass einen Einsatz von deutschen Soldaten in Mali derzeit ausschliesst. Vielmehr sei man zur Ausbildungshilfe für die malischen Streitkräfte erst dann bereit, wenn es einen „tragfähigen Fahrplan für die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung” gebe. “Eine allein militärische Lösung wird es nicht geben.”, sagte Bundesaussenminister Westerwelle dazu. (Siehe: Die Welt, vom 11.01 (http://www.welt.de/politik/ausland/article112700285/Frankreich-hilft-Mali-beim-Kampf-gegen-Islamisten.html) Was hält Noah denkt™ von dieser Position Deutschlands?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Wir meinen, dass diese Haltung unseres Landes ein grosser taktischer Fehler ist. Nach Libyen übrigens der zweite in der Ära Westerwelle.

AE: Wieso muss man hier von einem Fehler sprechen?

Nd: Weil es auch zur Rettung des Euros, und zur Foerderung der europäischen Integration wichtig gewesen wäre, jetzt an Frankreichs Seite zu stehen, und unserem Nachbarland zu signalisieren, dass man sich auf die deutsche Solidarität und Freundschaft auch in schweren Zeiten verlassen kann.

AE: Was hat der Euro mit Mali zu tun?

Nd: Nun, wer will, dass Frankreich im Konflikt zwischen Supply Side und monetaristischer Politik stärker die deutsche Position (also den nicht keynesianischen Sparkurs) unterstützt, der wird auch etwas im Gegenzug anbieten müssen. Die Waffenbrüderschaft in Mali wäre dazu ideal gewesen.  Denn nicht nur ist der Einsatz dort durch einen UN-Beschluss gedeckt, nein, es ist auch in deutschem Interesse, dass sich in Nordafrika kein Zufluchtsort für islamistische Terroristen aller Art bilden kann. Immerhin würde ein solche Brutstätte von Extremismus auch die Sicherheit in unserem Land bedrohen.

AE: Ist nicht die Zeit derart imperialistischer Aussenpolitik ein für allemal vorbei?

Nd: Es handelt sich hier nicht um eine imperialistische Grossmachtpolitik. Die Bevölkerung Malis begrüsst diesen Einsatz unumwunden. Und die (zugegebenermassen putschistische) Regierung des Landes hat ausdrücklich um internationale Hilfe nachgesucht.

AE: Nun ist es aber auch richtig, dass niemand weiss, wie derartige kriegerische Interventionen am Ende ausgehen. So könnte etwa die Beteiligung Deutschlands durchaus dazu führen, dass unser Land jetzt erst recht zur Zielscheibe islamistischer Terrorakte wird?

Nd: Allerdings wird man mit einer St-Florians-Mentalität, nach dem Motto „Zünd nicht mein Haus, sondern lieber das des Nachbar an“, weder der Bedrohung durch den  Islamismus, noch den Herausforderungen der europäischen Integration gerecht werden. Nein, hier ist vor allem eine nüchterne und mutige Realpolitik gefragt. 

AE: Zu dieser Realpolitik gehört aber auch, dass man es billigend in Kauf nimmt, wenn deutsche Soldaten ihr Leben verlieren, obwohl hier weder deutsches Vaterland verteidigt wird, noch ein solcher Militäreinsatz von der Bevölkerung politisch getragen wird?

Nd: Zum ersten Punkt haben wir uns in der Afghanistandebatte bereits geäussert. Es gibt hier also keine Notwendigkeit unsere Position noch einmal zu wiederholen. Was aber die Unterstützung in der Bevoelkerung angeht, so ist dies auch eine Frage der Erklärung, welche die Regierung zur Verteidigung eines solchen Einsatzes liefert. Und hier wirkt es sich sicher als negativ aus, dass Aussenpolitik bereits seit geraumer Zeit nur noch einen kleinen Raum in der deutschen Medienlandschaft findet. Das war zu Werner Höfers Frühschoppen Zeiten noch ganz anders.

AE: Nun, in den guten alten Zeiten gab es auch eine unmittelbare äussere Bedrohung für unser Land. Die gibt es eben heute nicht mehr. Insofern ist nur verständlich, wenn sich Medien und Bevölkerung aus der Weltbeobachtung zurückziehen. Immerhin gibt es ja genug Arbeit vor der eigenen Haustür, als dass man jetzt noch woanders Schulden machen muss.

Nd: Aus unserer Sicht ist eine solche Haltung nicht nur provinziell, sondern sie versteht auch nicht, wie die internationale Wirklichkeit tatsächlich ist. Denn im Zeitalter der globalen Vernetzung muss man international denken, wenn man mit dieser Welt fertig werden will.

AE: Das gelingt unserer Exportwirtschaft aber trotz allem Provinzialismus recht gut, oder?

Nd: Im Turbowettbewerb darf man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern man muss ständig am Rat der Herausforderung drehen.

AE: Uns erscheint das wenig gemütlich. Ja, man könnte sagen, da steckt ein Element des Verfolgungswahns drin.

Nd: Das Ringen um Freiheit, Mündigkeit und Selbstbestimmung ist nun mal von grundlegender Natur.

 

This entry was posted in Euro-Krise, Internationale Beziehungen, Politik and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.