Was tun in Mali?

Kommentar zur Begründung eines militärischen Engagement Deutschlands in Mali, erstellt und veröffentlicht am 22.01.13

Endlich, endlich hat es in ARD und ZDF die erste Talk-Show in Sachen möglicher Bundeswehreinsatz in Mali gegegen. (siehe Preseclub vom 21.01 unter http://www.ardmediathek.de/das-erste/presseclub/einmischen-oder-raushalten-was-der-krieg-in-mali-mit-uns?documentId=13109574)  Im Lichte dieser Diskussion möchten wir denen, die vor einem solchen Einsatz warnen, folgende Anmerkungen zukommen lassen.

Sicher ist die triste Wahrheit in der Dritten Welt die, das kaum etwas von dem, was der Westen dort federführend bewirken will, so richtig funktioniert:

  • Entwicklungshilfe endet meist damit, dass die begonnenen Projekte spätestens dann in sich zusammenfallen, wenn die Verantwortung dafür an lokale Stellen übergeben wird.
  • Militärische Interventionen, hingegen, pflegen in einem Sumpf der Unendlichkeit zu enden, wobei spätestens nach dem Abzug der westlichen Truppen die Gefahr gross ist, dass die früheren Verhältnisse quasi durch die Hintertür wieder eingeführt werden.
  • Aber auch die Finanzierung und Unterstützung lokaler Gruppen hat beträchtliche Risiken. Denn wie in Afghanistan, Libyen und auch Mali gesehen, führt derlei Hilfe nicht selten dazu, dass die so ausgerüsteten und ausgebildeten Kräfte sich irgendwann gegen den früheren Mentor richten, und dann neues Unheil anrichten (Al-Qaeda), bzw. die üppig gelieferten Waffen meist bietend versilbern (Libyen).
  • Ebenso ist die Verlagerung der Verantwortung für den internationalen Frieden auf Nachbarsstaaten kein Allheilmittel. Wie nämlich im Falle Mali zu beobachten, hinken derlei Initiativen oft daran, dass in den Nachbarstaaten kein Geld vorhanden ist oder der Ausbildungsstand der Kampftruppen dort zu gering ist, um nachhaltig wirksam zu sein. (Die einzige Ausnahme im Falle Malis scheint der militärische Verband aus dem Tschad zu sein, der im Wüstenkampf erfahren, und auch über die nötige Stringenz in der Befehlsstruktur verfügt.)

Was nun ein etwaiges Engagement deutscher Soldaten in Mali betrifft, so kommen hier weitere nicht unwesentliche Bedenken hinzu:

  • Erstens, ist die Bundeswehr überhaupt für einen asymetrischen Wüstenkampf ausgebildet und ausgerüstet? (Wahrscheinlich nur bedingt.)
  • Zweitens, wie sieht das mit der militärischen Koordination zwischen Deutschland und Frankreich aus? Immerhin haben sich die Franzosen ja nicht mit Deutschland verständigt, ehe sie in Mali einmarschiert sind. Allein dieser Umstand lässt doch befürchten, dass auch im Kampfgebiet die interne Absprache schwierig sein wird.
  • Drittens, wie kann ein Bundeswehr-Engagement in Mali erfolgreich sein, wenn die deutsche Bevölkerung nur halbherzig hinter dem Einsatz steht und deutsche Interessen hier nur mittelbar verteidigt werden?
  • Viertens, was sind eigentlich die genauen Ziele dieser militärischen Intervention?

Alle diese Bedenken und Hinweise sind berechtigt. Und doch kann derlei Einwände nicht dazu führen, dass man nun die Hände in den Schoss legt, und es dem Schicksal überlässt, welchen Lauf es nehmen will. Im Gegenteil, man muss es akzpetieren, das menschliches Handeln allzu oft nur eine Flickschusterei ist, die am lebenden Objekt improvisiert, und dabei natürlich schmerzliche Fehler macht.

Im Falle Malis aber bedeutet das über das von uns früher schon Gesagte hinaus:

  • Dass der Einsatz der Bundeswehr in Mali nicht an der vordersten Front sein kann
  • Dass die Intervention am Ende darauf hinauslaufen muss, die legitimen Autonomieansprüche der Tuareg zu befriedigen. (Möglicherweise heisst dies sogar, dass man ihnen einen eigenen Staat zugesteht);
  • Dass eine solche Autonomielösung auch den anderen Stämmen/Volksgruppen, die im Nordmali ansässig sind, gerecht werden muss;
  • Dass es bald möglich dazu kommen muss, dass ein Dialog mit den nicht salafistischen Kräften des Nordens begonnen werden muss;
  • Dass es militärisch nur darum gehen kann, den Vormarsch der Salafisten zu stoppen, und sie innerhalb der Nordrebellen zu isolieren;
  • Dass es am Ende die Tuareg selbst sein müssen, die das Problem von Al-Qaeda im Magreb lösen;
  • Und dass dies möglicherweise auch bedeuten kann, dass man die nicht salafistischen Tuareg mit lang anhaltenden Subvention ins eigene Lage holen muss.
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