Kaufmännische Planungssicherheit oder Gottvertrauen?

Dialog mit dem Alter Ego über die Bankphilosophie von Papst Franziskus

„Die Verkündigung des Evangeliums kommt aus dem Geist des Kostenlosen, aus dem Staunen über die Erlösung, und das, was ich unentgeltlich erhalten habe, muss ich unentgeltlich weitergeben. Das war von Anfang an so. Der heilige Petrus hatte kein Konto auf der Bank, und als er Steuern zahlen sollte, schickte ihn der Herr an den See, um einen Fisch mit einem Geldstück im Maul zu fischen – so konnte er zahlen. Als Philippus einem Finanzminister aus dem Ausland begegnete, hat er nicht gedacht: Oh, trifft sich gut, da könnten wir doch eine Gesellschaft zur Verbreitung des Evangeliums gründen – nein! Er hat nicht Geschäfte mit ihm gemacht, er hat verkündet, hat ihn getauft und ist weiter seines Weges gezogen.“
Papst Franzikus, (siehe: 
http://de.radiovaticana.va/news/2013/06/11/papstpredigt:_%E2%80%9Epetrus_hatte_kein_konto%E2%80%9C/ted-700349)

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In der Diskussion um die undurchsichtigen Geschäftspraktiken der Vatikanbank hat Papst Franziskus Mitte Juni sinngemäß darauf hingewiesen, dass die Verkündigung des Evangeliums „aus dem Geist des Kostenlosen“ geschehen müsse, und dass der Herr schon dafür sorgen werde, dass die, die ihm wohlgefällig sind, ihr Auskommen finden werden. Wie beurteilt  Noah denkt™ diese Interpretation?

Antwort von Noah denkt™ (Nd). Wir halten sie für richtig.

AE: Meint Noah denkt™ demzufolge auch, dass die Vatikanbank abgeschafft werden sollte?

Nd: Na, ja, so einfach ist das nicht.

AE: Wieso?

Nd: Weil es bei der Beurteilung dieses Sachverhaltes mindestens zwei weitere Aspekte gibt, die es zu berücksichtigen gilt: Denn, erstens, ist es so, dass die kostenlose Verkündigung der Frohen Botschaft wenigstens nach unserem Verständnis nicht notwendigerweise auch die Armut und Mittellosigkeit der Verkünder voraussetzt. Und zweitens ist es ein Unterschied, ob der einzelne Verkünder für sich selbst die Entscheidung trifft, sich dem Risiko einer völlig auf Gott vertrauenden Erwerbsperspektive zu überantworten, oder ob er diese Entscheidung als Institutionsleiter auch für andere zu treffen hat. Das heißt konkret, dass wir es für lobenswert halten, wenn der Papst für sich selbst keinerlei kaufmännische Planungssorgfalt an den Tag legen will, wenn es darum geht, seine materielle Zukunft zu sichern. Wir sind aber keineswegs sicher, dass der Papst auch das Recht hat, diesen radikalen Gottvertrauensweg auch seinen Schutz befohlenen Angestellten aufzuzwingen.

AE: Warum ist es falsch, auch von den übrigen, z.T. sakramental eingesetzten, Angestellten des Vatikans dieses radikale Gottvertrauen bei der Einkommenssicherung zu erwarten?
Nd: Weil die praktische Umsetzung des sich Gott anheim Stellens ein beinahe selbst zerstörerischer Akt ist, den nur diejenigen unbeschadet überstehen können, welche die Weisheit dieses Tuns voll und ganz durchdrungen haben.

AE: Heißt das also, dass auch die sakrale Weihe, die Priester und Bischöfe erhalten, keine Garantie dafür bietet, dass die Betreffenden die Weisheit des totalen Gottvertrauens verstanden haben?

Nd: So ist das? Wahrscheinlich sind es immer nur wenige Menschen, die diese Klarsicht überhaupt entwickeln können. Und das dem so ist, hängt mit der spezifischen Eigenart der betreffenden Personen zusammen. Da kann man niemandem einen Vorwurf machen, wenn er zu dieser recht brutalen Konsequenz nicht fähig ist.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ würde an Stelle des Papstes die Vatikanbank nicht abschaffen?

Nd: Richtig. Und so wie es aussieht, wird auch Papst Franziskus selbiges nicht tun.

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