Wie kann es mit den Poeten weitergehen?

Dialog mit dem Alter Ego über Thomas Manns Erzählung Tonio Kröger

Alle Erkenntnis ist alt und langweilig. Sprechen Sie eine Wahrheit aus, an deren Eroberung und Besitz Sie vielleicht eine gewisse jugendliche Freude haben, und man wird Ihre ordinäre Aufgeklärtheit mit einem ganz kurzen Entlassen der Luft durch die Nase beantworten… Ach ja, die Literatur macht müde… Thomas Mann, Tonio Kröger, 1903, 48. Aufl, 2014, S. 37

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Wir haben nun endlich „Tonio Kröger“ von Thomas Mann gelesen. Und wir sind begeistert von der Eindringlichkeit, mit der hier das Ringen des Poeten um ein machbares Verhältnis zum normalen bürgerlichen Sein beschrieben wird. Vor allem rührt uns die Müdigkeit und Ratlosigkeit an, mit der unser Poet dem eigenen Gewerbe gegenübersteht. Denn schon im Jahre 1903 scheint der Eindruck vorhanden gewesen zu sein, dass die wichtigsten Fragen abgehandelt, und der Kern des Dasein erläutert ist. Wenn es nun aber vor mehr als hundert Jahren schon so war, dass das Meiste gesagt worden ist, dann stellt sich in unserer Blogger-Zeit noch viel mehr die Frage, wie es denn für die Poeten darin weitergehen kann? Mit anderen Worten, kann es für mehr Bürger- und Künstlerbeschreibungen noch einen ehrlichen Platz geben? Und kann das noch schönere Sagen des schon vielmals Wiederholten jetzt noch eine wahre Perspektive geben?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Die Frage ist berechtigt. Denn auch, wenn Tonio Kröger schon auf Seite 38 darauf hinweist, dass „das Leben noch fortfahren mag“, und mithin neuen literarischen Wiederholungs- und Erweiterungsbedarf schaffen wird, so bleibt doch zweifelhaft, ob es für dieses zusätzliche Kreisedrehen immerdar genügend große Aufmerksamkeit geben wird.

AE: Kann es also sein, dass es den Poeten nicht anders, als den Journalisten gehen wird, die ebenfalls ihr angestammtes Metier mächtig schrumpfen sehen?

Nd: In jedem Fall ist auch bei den Poeten eine Innovationskraft gefordert, die das übersteigt, was man früher von ihnen verlangt hat. Denn nun reicht es ja nicht mehr aus, eine lehrreiche Geschichte hübsch zu erzählen, nein, jetzt wird man dafür auch noch den Markt eigenhändig finden müssen. (etwa mit Direktpublishing) Continue reading

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Neues zur Zeitungskrise

Dialog mit dem Alter Ego über die Redaktionswechsel in der New York Times und in Le Monde

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Niemand hat die Krise der traditionellen Zeitung besser beschrieben, als Constantin Seibt in seinem deadline-blog für die Schweizer „Tageszeitung“. (siehe: http://blog.tagesanzeiger.ch/deadline/index.php/33084/zum-teufel-mit-der-krise-eroeffnen-wir-einen-salon/). Und doch wird man am Tage, da die Nachricht kommt, dass die Chefredakteurinnen von Le Monde (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/le-monde-ruecktritt-von-natalie-nougayrede-a-969430.html) und New York Times (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/jill-abramson-new-york-times-entlaesst-chefredakteurin-a-969496.html) ihren Posten (mehr oder weniger freiwillig) geräumt haben, das Thema Zeitungssterben noch einmal neu aufrollen müssen. Welche Konsequenzen hat die Krise des traditionellen Papier-Journalismus für uns alle?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Nun, die Konsequenzen sind nicht berauschend. Denn auch, wenn es stimmt, was Constantin Seibt sagt, und die Nachrichtenfunktion der Tageszeitung irrelevant geworden ist, so ist doch in diesen traditionellen Mainstream-Medien eine journalistische und redaktionelle Kompetenz bzw. Urteilskraft vorhanden, auf die die Gesellschaft nicht so ohne weiteres verzichten kann. Continue reading

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Eine naive, populistische Politik ist ebenso schädlich

Dialog mit dem Alter Ego über die Libor-Manipulationsstrafe der EU

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In diesen Tagen hat die Europäische Union eine 1,7 Mrd. Euro-Strafe gegen sechs internationale Finanzinstitute verhängt, die in den Libor-Manipulationsskandal verwickelt waren. Es ist die bisher höchste Strafe, die vom EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almuni ausgesprochen wurde. In einer  Pressekonferenz zur Strafverkündung machte der EU-Repräsentant deutlich, dass sein Vertrauen in die Integrität der Banken nach der Libor-Investigation noch mehr erschüttert sei, als vorher. Wie beurteilt Noah denkt™ die jetzt verhängte Strafe?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Ohne Zweifel haben sich die Banken bei der jahrelangen Manipulation der Liborrate unehrlich verhalten. Und sicher ist eine gewisse Bestrafung deshalb auch angebracht. Wir fragen uns allerdings auch, was schlimmer ist: Banken, die ein mangelhaftes System zu ihren Gunsten nutzen, oder Politiker, die zu naiv sind, um die Mangelhaftigkeit dieses Systems, nämlich des Verfahrens beim Libor-Fixing, rechtzeitig zu erkennen?

AE: Wieso ist das System zur Ermittlung der Liborrate mangelhaft? Continue reading

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Die Seele der Ukraine ist gespalten

Dialog mit dem Alter Ego über die Unruhen in Kiew

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Die anhaltenden Unruhen in der Ukraine, nach dem Scheitern der Verhandlungen über ein Assoziationsabkommen mit der EU, beherrschen die Schlagzeilen in Europa. Die übliche Lesart des Konfliktes im Westen ist die, dass die Janukowitsch-Regierung deshalb die Unterschrift unter das betreffende Abkommen mit der EU verweigert hat, weil russisches Geld sie zur Ablehnung gedrängt hat. Wie sieht Noah denkt™ die Lage in der Ukraine?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Natürlich kann man es sich einfach machen, und sämtliche innen- und bündnispolitischen Zerwürfnisse in der Ukraine auf die Korruption und Unaufrichtigkeit der jeweils herrschenden Regierung zurückführen. Und sicher wird niemand leugnen wollen, dass es diese Korruption gibt. Aber man wird dem strategischen Positionierungsproblem der Ukraine nicht gerecht, wenn man es allein auf etwaige Schwarzgeldzahlungen zurückführen will. Nein, die Wahrheit in der Ukraine ist die, dass dier Seele des Landes gespalten ist, und daher nicht weiss, ob sie lieber einen individualistisch-libertären Weg, mit allem, was das bedeutet, gehen soll, oder ob sie in der alten Logik des starken, patriarchlischen Zentrums verharren soll. Denn gewiss kann  auch die alte Logik des östlich-gewandten Lebens-und Führungsstils einige Argument für sich ins Feld zu führen.

AE: Was wären denn die Gründe, die aus Sicht der ukrainischen Seele für einen Verbleib im russischen Einflussbereich sprechen?

Nd: Na ja, da ist einmal der Gedanke, dass die Abkehr vom individualistisch-libertären Weg des Westens auch ein Votum für die Wahrung traditioneller Familienstrukturen ist. Denn in einer weniger offenen Gesellschaft desintegriert sich die Gemeinschaft weniger;  das Zusammengehörigkeitsgefühl bleibt erhalten; alte Menschen werden weniger ausgegrenzt, die Herausforderung der Integration von Immigration stellt sich weniger; und die Gewalt des sozialen Wandels bricht vorerst weniger stark über die Gemeinschaft herein, als dies im westlichen Modell der Fall wäre. Über allen Zweifeln aber, welche die Ukraine bei der Wahl zwischen West und Ost bewegen, steht vornehmlich die Ungewissheit darüber, ob man denn dem kollektiv verhandelten Sicherheitskonzept des Westen trauen kann, oder ob es nicht wie immer sein wird, und die Sicherheitsinteressen der Ukraine im Ernstfall vom Westen verraten werden. Continue reading

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Die Grünen vermarkten sich neu

Dialog mit dem Alter Ego über die Markenkerndebatte der Grünen beim Berliner Parteitag

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Beim soeben zu Ende gegangenen Parteitag der Grünen in Berlin, welcher der Neuaufstellung der Grünen nach der verlorenen Bundestagswahl dienen sollte, war in abstrakter Form viel davon die Rede, dass man sich als grüne Partei nun wieder auf den eigentlichen Markenkern der grünen Bewegung besinnen müsse. Nun haben die Geister hinter Noah denkt™ seinerzeit ja den Parteigründungsprozess der Grünen aus einer damals noch sympathisierenden Nähe verfolgt. Wie würde Noah denkt™ dementsprechend den Markenkern der Grünen beschreiben?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Im Zentrum der grünen Bewegung stand damals das Unbehagen am technischen und wirtschaftlichen Fortschritt. Man wollte aus der blinden, kapitalistischen Wachstumsgesellschaft aussteigen, ohne dabei gleichwohl auf die erschreckenden Alternativkonzepte der stalinistischen Linksparteien zurückzugreifen. Stattdessen strebte man ein Umwelt- und sozialverträgliches Wachstum an, das über eine starke staatlicher Intervention herbeigeführt werden sollte. Über die konkrete politische Ausgestaltung dieses umweltverträglichen Wachstums machte sich gleichwohl nur am Rande und beiläufig Gedanken.

AE: Soll das heißen, dass die Grünen in erster Linie eine Protestpartei waren, die so recht gar nicht an die Regierung kommen wollte?

Nd: So muss man das wohl sagen.

AE: Was bedeutet denn dann der Slogan von der Rückbesinnung auf den Markenkern für die Zukunft der Grünen? Continue reading

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Über die Kunst der Empörung

Dialog mit dem Alter Ego über Mitleid mit Boat People etc.

Ein Gedicht der Entrüstung

Angesichts der wiederholten Unfälle afrikanischer Flüchtlinge vor der italienischen Küste hat der Papst gesagt, dass es eine globalisierte Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden der anderen gebe. Wie kann er das sagen?

Immerhin sind wir doch genauso empört, wie er, über die Tragödie der Asylsuchenden. Wir sind ebenso empört über Guantanamo, über die Gewalt im syrischen Bürgerkrieg, über den NSA-Abhörskandal, den Einfluss der Pharmalobby, die  Tierversuche, und die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland.

Doch damit nicht genug. Uns entrüsten auch die Bonuszahlungen im Finanzgewerbe, die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter in Bangladesh, die Abwesenheit eines Mindestlohns etwa im Friseurgewerbe, der Missbrauchsskandal in den christlichen Kirchen, die Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr, die Bunga-Bunga-Parties von Herrn Berlusconi, und der Shutdown des öffentlichen Dienstes in Amerika.

Nein, vor lauter Empörung fällt es uns schwer, noch Gesprächsthemen zu finden, die uns nicht entrüsten. Denn unsere Euphorie am Vorabend eines freien Tages, unser Spaß an den alten Seinfeld-Episoden, der Genuss eines feinherben Riesling, oder eine Sonnen durchflutete Etappe auf dem Eifelsteig geben kaum mehr, als eine Erwähnung her.

Mit anderen Worten, wir brauchen unsern Ärger über die langen Wartezeiten im Gesundheitswesen, über die Geldverschwendung im öffentlichen Dienst, oder das Verkehrschaos am Kölner Ring,weil wir sonst nichts haben, was wir mit anderen teilen können. Von globalisierter Glöeichgültigkeit kann jedenfalls keine Rede sein, oder doch?

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Die Tragödie der afrikanischen Boat People vor der italienischen Küste bewegt derzeit die Gemüter in Deutschland und in Europa. Dabei wird insbesondere die Haltung Europas gegenüber den Asyl suchenden Einwanderer aus Nord- und Schwarzafrika kritisiert. Man wirft der EU vor, dass ihre Politik zwischen unterlassener Hilfeleistung einerseits und einer Wagenburgmentalität andererseits oszilliere. Unter anderem meinen die Kritiker, dass es gerade der Protektionismus der EU im Agrarsektor sei, der es den afrikanischen Staaten schwer mache, ihre eigene Wirtschaft vernünftig weiter zu entwickeln. Als leuchtendes Beispiel dieser fehlgeleiteten Politik wird das Fischereiabkommen der EU mit Mauretanien angesehen. Denn hier erkauft sich die EU mit einer zig-Millionen schweren Entschädigungen das Recht, das Meer vor der mauretanischen Küste mit spanischen Trawlern abzufischen, während die mauretanischen Fischer gerade wegen der industriellen Konkurrenz aus dem Norden ihre Lebens- und Arbeitsgrundlage verlieren. Wie beurteilt Noah denkt™ diese Kritik an der EU?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Die Kritik mag nicht ganz unberechtigt sein. Uns stört nur, dass diejenigen, die der EU Protektionismus in Sachen Agrarsektor vorwerfen, gemeinhin dieselben sind, die ansonsten sowohl den marktwirtschaftlichen Liberalismus ablehnen, als auch die hohe Arbeitslosenrate in Spanien als unzumutbar ansehen. Mit anderen Worten, wir fragen uns in dieser Angelegenheit, wie die EU-Kritiker selbst mit der Heterogenität ihrer eigenen Weltanschauung umgehen? Continue reading

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Geht’s noch ein bisschen behäbiger?

Dialog mit dem Alter Ego über die Langsamkeit der deutschen Koalitionsverhandlungen

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Die Geschäftsführerin der SPD, Andrea Nahles, hat in diesen Tagen verlauten lassen, dass die Bildung einer neuen Koalitionsregierung in Deutschland noch gut und gerne bis Januar nächsten Jahres auf sich warten lassen kann. Grund dafür ist insbesondere das Bemühen der SPD-Spitze sein, sich jede Verhandlungsstrategie und jeden Verhandlungskompromiss mal vom Parteikonvent, mal von der Parteibasis absegnen zu lassen. Teilt Noah denkt™ unsere Auffassung, wonach das alles doch sehr langsam und zähflüssig von Statten geht?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Absolut. Das Kernproblem der Spitzen von SPD und Grünen ist wohl, dass sie sich nicht den Mumm haben, sich klar und deutlich zu entscheiden, ob sie jetzt im Rahmen einer Koalitionsregierung mit der CDU Verantwortung übernehmen wollen oder nicht. Aus unserer Sicht ist das eine unreife, erbärmliche Haltung, die einem Verantwortungsträger nicht würdig ist.

AE: Nun muss man allerdings auch verstehen, dass SPD und Grüne fürchten, in einer solchen Koalitionsregierung ihr Profil zu verlieren, um dann bei der nächsten Wahl noch weiter abgestraft zu werden, als dies bisher bereits der Fall war.

Nd. Wer Angst hat, in einer Koalitionsregierung unter die Räder zu kommen, sagt im Grunde, dass er sich nicht die Ausstrahlungskraft und Persönlichkeit zutraut, und im Team mit anderen starken Partnern als eigenständiges Element bestehen zu können.  Continue reading

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Die gehobene Literatur stirbt, die Zeitungen sterben, und die FDP verschwindet auch

Dialog mit dem Alter Ego über den Ausgang der Bundestagswahl 2013

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Was sind aus Sicht von Noah denkt™ die wichtigsten Lehren aus dem Ergebnis der Bundestagswahl 2013?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Uns bewegt am meisten der Umstand, dass die FDP zum ersten Male in der Geschichte der Bundesrepublik an der 5%-Hürde gescheitert ist, und demzufolge nicht in den neuen Bundestag einziehen wird. Wir meinen, dass dies ein weiterer Hinweis darauf ist, dass sich die Gesellschaft grundlegend verändert, und dass wir bisher nicht einmal erahnen, wie weitreichend  die Konsequenzen dieser Veränderungen sein werden.

AE: Woher kommt der apokalyptische Unterton in Noah denkt™s Einlassung. Immerhin hat unser Projekt doch früher selbst die FDP heftig kritisiert?

Nd: Sicher haben wir immer wieder mit der FDP unsere Schwierigkeiten gehabt. Aber wir haben nie mit dem Wirtschaftsliberalismus an sich über Kreuz gelegen. Vielmehr hat uns die karrieristische Art und Weise gestört, mit der die leitenden Personen der FDP diesen Wirtschaftsliberalismus verkörpern. Die aktuelle Abstrafung der FDP aber ist vor allem durch die ideologische Ablehnung dieses Wirtschaftsliberalismus motiviert. Und das gibt uns zu denken.

AE: Warum?

Nd: Na, ja, es zeigt sich eben, dass es in unserer Gesellschaft immer weniger Verständnis dafür gibt, dass der Staat nicht alles und jedes regeln kann. Stattdessen nimmt die Zahl derjenigen zu, die lieber andern was wegnehmen wollen, als sich auf Gedeih und Verderb dem unwägbaren Ratschluss des anonymen Marktes zu überantworten.

AE: Und warum ist es so bedenklich, wenn sich diese Haltung durchsetzt?

Nd:  Weil damit die unternehmerische Initiative in der Gesellschaft abnimmt; weil so der Halbherzigkeit, der Inkonsequenz und der Selbstgerechtigkeit Vorschub geleistet wird; weil sich die Menschen dadurch weniger selbst in die Pflicht nehmen, und weil am Ende auch der Gemeinsinn unter der Bequemlichkeit leidet.

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Ein bisschen zu wackeln, war durchaus vernünftig

Dialog mit dem Alter Ego über den Merkelschen Unzuverlässigkeitsvorwurf gegen die SPD in Sachen EURO-Rettung

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In einer Dokumentation der ARD, die am 16.09 ausgestrahlt werden wird, hat Bundeskanzlerin Merkel der SPD vorgeworfen, in Sachen Euro-Rettung nicht zuverlässig und stabil gewesen zu sein. Gemeint ist damit der Umstand, dass die SPD sowohl beim Thema Euro-Bonds, als auch bei der Frage der Vergemeinschaftung der EU-Staatsschulden mal dafür und man dagegen gewesen ist. Dennoch ist die SPD über den Merkelschen Unzuverlässigkeitsvorwurf sehr empört. Immerhin hast sie doch bei den wichtigen diesbezüglichen Entscheidungen im Bundestag stets mit der Regierung gestimmt, und der Kanzlerin hier und da sogar zu einer Mehrheit verholfen, wo sie diese aus eigener Kraft nicht gehabt hätte. Wie beurteilt Noah denkt™ die SPD-Kritik der Frau Merkel?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Es ist sicher so, dass die SPD in ihrer Haltung zur EURO-Rettung zwischen supply side und demand side-Auffassungen (Friedman versus Keynes) oszilliert. Aber das hat Noah denkt™ wenigstens anfänglich auch ein bisschen getan. Und so muss sich die SPD gar nicht dafür schämen, in dieser Frage nicht stets eineindeutig gewesen zu sein. Denn zu gewaltig waren die im Raum stehenden ideologischen Grundsatzentscheidungen, als dass man diese vernünftig mit einer sturen Gradlinigkeit hätte bewältigen können. Continue reading

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Die Nervosität des Westens hilft nicht!

Dialog mit dem Alter Ego über die Gewalt in Ägypten

Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Nach der gewaltsamen Absetzung von Ägyptens Präsident Mursi kommt es in dem Land immer öfter zu gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Anhängern des abgesetzten Präsidenten und Verteidigern der neuen, pro-westlichen Machthabern. Dabei steigt die Zahl der Toten und Verletzten bedenklich an. Noah denkt™ hat neulich den Coup, der keiner war, ausdrücklich als legitim verteidigt. Muss unser Projekt jetzt nicht zu dem Urteil kommen, dass es falsch war, die gewaltsame Absetzung Mursis zu befürworten?

Antwort von Noah denkt™ (Nd): Nein, nein, wir bleiben aus den früher erwähnten Gründen bei unserer Position. (siehe http://www.noahdenkt.com/noahdenktwegypt4.html)

AE: Und es berührt Noah denkt™ gar nicht, dass es jetzt zu solchen Gewaltexzessen in Ägypten kommt?

Nd: Natürlich lassen uns die Unruhen im Land nicht kalt. Allerdings halten wir es auch für durchaus normal, dass der Kampf um die Seele Ägyptens nicht ruhig und gelassen vor sich geht. Continue reading

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