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Warum die Idee eines Nord- und Süd-EUROs falsch ist!
Stellungnahme zur Idee der EURO-Spaltung, erstellt und veröffentlicht am 27.03.2013
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    „Was Deutschland betrifft, es wäre schrecklich für alle, wenn dieses Land einmal vereint von einer
    einzigen Monarchie beherrscht würde.“
    Sir Thomas Overbury: ”Observations on His Travels“ (1609) in: Stuart Tracts 1603-1693 (siehe
    Fußnote *)

In Deutschland scheint die Idee von Hans-Olaf Henkel, die kränkelnde Einheitswährung EURO in einen Nord- und
Süd-EURO aufzuspalten
(siehe Fußnote **), immer mehr Zuspruch zu finden.. Dieser Vorschlag aber verkennt
historische Grundtatsachen, die für das Verständnis und die Funktionsfähigkeit des EUROs von essentieller
Bedeutung sind. Diesen eigentlichen Kern des EUROs kann man wie folgt zusamen fassen:


  • Weil es aber so ist, dass hinter dem EURO knallharte, machtpolitische Interessen stehen, ist es
    illusorisch, zu glauben, dass Belgien, die Niederlande und selbst Luxemburg bereit sein
    könnten, ihre Äquidistanz zu Frankreich und Deutschland aufzugeben, und sich mittels einer
    von Deutschland beherrschten Währungsunion überproportional an unser Land zu binden. (siehe
    Fußnote **) Denn gerade Belgien, um nur ein Beispiel zu nennen, hat in seiner Geschichte sowohl mit
    Frankreich, als auch mit Deutschland genug schlechte Erfahrungen gemacht, als dass es seine
    Schutzmacht jetzt noch auf dem Kontinent würde finden können. Nein, wer die Geschichte kennt, der weiss,
    dass Belgien seine Unabhängigkeitshoffnungen eher auf Großbrintannien gründet. Und so wird es also
    nicht im nationalem Interesse Belgiens liegen können, die bisherige  gleichgewichtige Skepsis gegenüber
    den großen kontinentalen Nachbarn aufzugeben. Ja, man wird sich sogar sicher sein können, dass Belgien
    niemals der alten europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten wäre, wenn selbige nicht von der Idee
    der französisch-deutschen Vernetzung geprägt gewesen wäre.

  • Im Übrigen wäre auch Frankreich aller Voraussicht nach nicht bereit, einem Nord-EURO beizutreten,  weil
    es aus gegenwärtiger Sicht zu sehr fürchten müsste, vom schieren ökonomischen Gewicht Deutschlands
    erdrückt zu werden. Stattdessen kann man sich sicher sein, dass Frankreich nicht auf Italien und Spanien
    verzichten wird, weil es unter den gegebenen Umständen nur so ein halbwegs funktionierendes
    Gegengewicht zum protestantischen Berlin aufbauen kann.

  • Da der Henkel-Vorschlag aber die historischen Gründe für den EURO falsch analysiert, würde der Versuch,
    die Nord-EURO-Idee dennoch umzusetzen, notwendigerweise zu einer politischen Isolierung Deutschland
    führen. Diese Isolation kann aber wenigstens mittelfristig in niemandes Interesse sein.


  • Zu guter Letzt wird man erkennen müssen, dass der Henkel-Vorschlag auch in ökonomischer Hinsicht nicht
    der Weisheit letzter Schluss ist. Denn zu sehr wird hier davon ausgegangen, dass Länder sich nicht neu
    erfinden, und alte, links orientierte Abwertungsneigungen nicht überwunden werden können. So wird man
    an dieser Stelle etwa auf das jüngere Erfolgsbeispiel Lettlands verweisen können, um den Nachweis zu
    führen, dass die stereotype Sichtweise des Herrn Henkel unangemessen ist. (siehe Fußnote ***) Aber auch
    ein Blick in die ältere Vergangenheit zeigt, dass Staaten sich ungewöhnlich stark verändern können. So
    vermag sich Noah denkt™ noch gut daran erinnern, wie selbst das freiheitlich gesinnte Großbritannien
    Anfang der 80er Jahre kurz vor dem Bürgerkrieg stand, als es darum ging, den Sprung vom staatlich
    gelenkten Versorgungsstaat in eine wahrlich liberale Wirtschaftsverfassung zu schaffen. Die Hoffnung,
    dass die Länder des Südens den Sprung in die Moderen bald schaffen können, ist also keineswegs
    aussichtslos. Allein, man wird ihnen die Notwendigkeit richtig und gut erklären müssen.
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Fußnote * : Diese Aussage von Sir Thomas Overbury wurde übernommen aus einem Zitat, in Henry Kissingers “Diplomacy“. Noah
denkt™ lag die Kissinger Schrift nur in spanischer Ausgabe („La Diplomacia“) vor. Der Wortlaut des Zitats im Spanischen ist wie
folgt: „  ... en cuanto a Alemania, si estuviese por completo sometido a una monarquía, sería terrible por los demás.”   Henry
Kissinger hat dieses Zitat seinerseits von Martin Wright; Power Politics, 1978, übernommen

Fußnote **: Zur Erklärung: In der gegenwärtigen Form sieht der Henkel-Vorschlag so aus, dass Deutschland, Österreich, die
Benelux-Staaten und Finnland einen Nord-EURO, und alle übrigen einen Süd-EURO einführen sollten. (Siehe dazu auch die „Hart
aber fair“- Talk-Runde der ARD vom 25.03)

Fußnote ***: Lettland ist es gegen alle keynesianisch geprägten Vorhersagen gelungen, mit einem radikalen Sparprogramm
wieder auf einen erstaunlichen Wachstumskurs zu kommen.
 
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