Noah denkt™ - Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Für Immanuel Kant und Pascal Bruckner
Dialog zwischen Noah denkt™ und seinem Alter Ego über die Glűckseligkeit, erster Entwurf erstellt
am 16.12., veröffentlicht am 30.12.08
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Noah denkt™ ist doch ein Fan von Immanuel Kant und seiner Kritik
der praktischen Vernunft?
Antwort von Noah denkt™: Richtig! Warum?
AE: Na ja, in der Kritik der praktischen Vernunft wird doch davon gesprochen, dass einer, der seine Pflicht tut,
dabei eine Glűckseligkeit erreichen wird, die ihn für seine Műhen entlohnen wird. Wenn das aber stimmt, und man
auf diesem Pflicht- und Hingabewege tatsächlich eine innere Zufriedenheit erreichen kann, dann frage ich mich
doch, wie man dann die Verzagtheit und Bedrűcktheit erklären kann, die Noah denkt™ nicht selten, gerade auch
in diesen Tagen an dieselben legt?
Nd: Also, wenn unser Alter Ego seinen Kant richtig gelesen hat, dann wird ihm ja auch aufgefallen sein, dass
dessen Glűckseligkeitsbegriff nichts mit einem einfachen Euphorischsein zu tun hat, sondern das dahinter die
Vorstellung eines gewissen Friedens mit sich selbst steht.
AE: Deshalb habe ich in meiner Frage ja auch bewusst von innerer Zufriedenheit gesprochen. Ich muss also noch
einmal wiederholen: Wie erklärt sich Noah denkt™ die relative Missmutigkeit, die sein Verhalten in jüngerer
Vergangenheit zeigt. Auf einen inneren Frieden, oder wie man das sonst auch nennen will, lässt diese
Stimmungslage jedenfalls nicht schließen?
Nd: Wir meinen, das Missmutigkeit, Verzagtheit und auch Traurigkeit nicht von vorneherein einen Widerspruch zu
der Glűckseligkeit darstellen müssen, die Kant in seiner Kritik der praktischen Vernunft angesprochen hat. Denn
solange, die hier beschriebene Niedergeschlagenheit vorübergehender Natur ist, und solange sie sich aus der
Auseinandersetzung mit der oben erwähnten Pflicht ergibt, solange wird man darin vor allem den Ausdruck eines
vernünftigen, nämlich dialektischen Ringens mit der betreffenden Pflicht-Herausforderung sehen müssen.
AE: Von Dialektik usw. ist aber bei Kant keine Rede. Ebenso wenig lässt er an irgendeiner Stelle durchblicken,
dass er eine Verzagtheit an der Pflicht für möglich hält.
Nd: Stimmt. Und doch nehmen wir uns die Freiheit, zu vermuten, dass er in dieser Frage keinen Gegensatz zu
unserer Auffassung entdecken wűrde.
AE: Warum glaubt Noah denkt™, sich diese Freiheit nehmen zu dürfen?
Nd: Weil es sicher auch für Kant kein Leichtes gewesen ist, in jeder Situation die Dummheit und Oberflächlichkeit
seiner Zeitgenossen gleichműtig zu ertragen, und weil uns obendrein nicht bekannt ist, dass Kant selbst ein
besonders extrovertierter und fröhlicher Mensch gewesen sein soll. – Aber selbst, wenn man diese Hinweise nicht
gelten lassen will, dann wird man immer noch darauf verweisen können, dass wir heute nicht mehr im 18.
Jahrhundert leben, und dass es daher auch nicht mehr so einfach ist, die genauen praktischen Implikationen der
eigenen Pflicht zu erkennen. Immerhin ist unser Dasein ja heute dadurch gekennzeichnet, dass es extrem
vernetzt, kommerzialisiert und gespiegelt ist. Und so wird man in diesem Umfeld, die individuellen Erwartungen
des kategorischen Imperativs auch nicht mehr nebenbei erfüllen können. Denn zu sehr wird man dabei seine
Existenz riskieren müssen, als dass man dies jetzt noch in einem einförmigen Gemütszustand wűrde leisten
können.
AE: Aber Moment mal, wird es nicht zu allen Zeiten eine existentielle Herausforderung gewesen sein, dem
kategorischen Imperativ in letzter Konsequenz treu zu bleiben?
Nd: Kann schon sein. Leicht war es jedenfalls nie. Und so wird man sich gerade deshalb auch sicher sein können,
dass die Glűckseligkeit auch für Kant kein Zustand ewiger Freude gewesen sein wird.
AE: Was ist es dann?
Nd: Vielleicht kommt man dem Verständnis der Glűckseligkeit näher, wenn man sich das Ganze als eine Art
Beseeltheit vorstellt, - ein Zustand, also der an die Vernünftigkeit der eigenen Mission auch dann noch glaubt,
wenn ihn diese bisweilen frustriert und verzweifelt sein lässt.
AE: Mit andern Worten, wer selbstgerecht genug ist, der kann auch die größte Unzufriedenheit noch als ihr
Gegenteil ausgeben?
Nd: Das ist gemein, das so zu formulieren. Ist Noah denkt™ denn in letzter Zeit tatsächlich so unerträglich
gewesen, dass man ihm diese Perversion vorhalten muss?
AE: Na ja, sagen wir es mal so, eine Ausgeburt der Heiterkeit war Noah denkt™ sicher nicht.
Nd: Aber sind wir das jemals gewesen?
AE: Sicher nicht!
Nd: Also dann, was will man mehr von uns erwarten, als dass wir unserer Art bis heute treu geblieben sind.
AE: Und das gilt auch um den Preis, dass es immer weniger Menschen zu geben scheint, die sich dieser
Missmutigkeit dauerhaft stellen können?
Nd: Mag sein, dass das so ist. Wir können das jedenfalls nicht ändern.
AE: Wie gut ist da, das wenigstens das Alter Ego Noah denkt™ die Treue halten wird?
Nd: Richtig, das ist ein Wohltat, deren Wert man nicht unterschätzen darf.
AE: Darf ich das als Kompliment verstehen?
Nd: Du darfst.
AE: Sehr liebenswürdig. Vielen Dank.
Nd: Bitte, gern geschehen.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein
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