Noah denkt™  -
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Dialog mit dem Alter Ego, erster Entwurf erstellt am 31.10. veröffentlicht am 11.11.09
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Wir wissen ja, dass Noah denkt™
sich für einen Kapitalismus
einsetzt, der auf der Ethik des kategorischen Imperativs ( volkstümlich etwa so übersetzt: „Was du nicht willst,
dass man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu“) fußt. Deshalb muss auch die Frage erlaubt sein, wie viel
Reichtum denn ein Befolgen des kategorischen Imperativs überhaupt verträgt. Denn immerhin stellt Kant in seiner
Kritik der praktischen Vernunft ja unmissverständlich klar, dass die moralische Vernunft nicht etwas ist, was sich
zuallererst aus dem sinnlich-empirischen Erfahren ergibt. Wird dies also nicht bedeuten müssen, dass die
Erkenntnis der persönlichen Pflicht mithin auch, ähnlich wie im Christentum*, eine materielle Zurückhaltung und
Entbehrung verlangt?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Die Frage ist gerechtfertigt. Wir meinen allerdings, dass der kategorische
Imperativ, genauso wie übrigens die Bibel auch** den Reichtum keineswegs von vorneherein verdammen.
Vielmehr glauben wir, dass beide in der Frage des irdischen Erfolges unentschieden bleiben.

AE: Nun mag es ja sein, dass sich Kant nicht spezifisch zur Frage der irdischen Reichtumsanhäufung geäußert
hat. Aber wird nicht jeder halbwegs verständige Jünger des kategorischen Imperativs zu dem Ergebnis kommen
müssen, dass allzu massiver Erfolg schon deshalb zu verurteilen ist, weil er bei anderen Missgunst und Neid
hervorruft, und so das soziale Gleichgewicht stört? Und wird man, wenn man denn die so eben dargelegte
Argumentation nicht zulassen will, dann immer noch akzeptieren müssen, dass jeder überragende, diesseitige
Erfolg eine derart große Verwaltungsnotwendigkeit nach sich zieht, dass der, der diesen Reichtum managen
muss, kaum noch die Muße und Ruhe hat, um das zu ergründen, was seine moralische Pflicht im Einzelfall
eigentlich ist?
Nd:  Na, ja, die Frage, ob der eigene Reichtum bei anderen Neid und Missgunst sät, hat wohl mehr damit zu tun,
wie man seinen Reichtum zur Schau stellt, als damit, ob man nun reich ist oder nicht. Und was die Frage der
Eigendynamik angeht, die von allzu viel Besitz ausgelöst wird, so wird man dazu sagen müssen, dass das, was
hier den Druck auslöst, nicht in erster Linie der Besitz selber, sondern vielmehr die Angst davor ist, selbigen
wieder zu verlieren. Mit anderen Worten, man wird diese Verwaltungsnotwendigkeit durchaus auch so bewältigen
können, dass man dabei nicht unter dem Eindruck einer nicht enden wollenden Bedrängung steht.

AE: Das heißt also, dass Noah denkt™ keine Bedenken gegenüber der irdischen Reichtumsanhäufung hat?
Nd: Nun, natürlich wissen wir, dass Reichtum, ebenso wie Armut auch, ihren Preis haben. Allerdings glauben wir
nicht, dass das Streben nach großem materiellem Erfolg im Widerspruch zum kategorischen Imperativ steht. Eher
meinen wir, dass das Gegenteil der Fall ist. Denn wer Freiheit und Selbstbestimmung in dieser Welt retten will,
der wird sich nicht in der Anonymität verkriechen dürfen, sondern der wird durch den Nachweis, dass man gerade
mit dem kategorischen Imperativ große, materielle, Reichtümer erwirtschaften kann, diese Freiheit verteidigen
müssen. Denn wie anders wird man das Abrutschen in eine selbstzerstörerische Gieranarchie verhindern können,
als dadurch, dass man den Menschen zeigt,  dass man gerade mit einem ethisch-reziproken Verhalten seinen
Wohlstand vergrößern kann?

AE: Nun legt Kant in seiner Kritik der praktischen Vernunft allerdings dar, dass der kategorische Imperativ eher
immaterielle Erfolge, wie den Erhalt des sozialen Friedens und das Erlangen persönlicher Glückseligkeit zeitigt.  
Wird man es da nicht als eine Verirrung ansehen müssen, wenn jetzt erwartet wird, dass man mit dem kantischen
Imperativ auch materielle Gewinnerwartung befriedigt werden kann?
Nd: Wir meinen, dass dies keine Verirrung, sondern eine logische Fortentwicklung des kantischen Denkens ist.
Man könnte auch sagen, dass es sich um eine Anpassung dieses Denken an die aktuelle Realität handelt.

AE: Was macht Noah denkt™ denn so sicher, dass es mit diesen Thesen in der Tradition des kantischen Geistes
steht?
Nd: Nun, wenn man einmal davon ausgeht, dass wohl auch Kant der Ansicht gewesen ist, dass die Demokratie,
der Rechtsstaat und die Marktwirtschaft diejenigen Gesellschaftsformen sind, die der Würde und
Vernunftfähigkeit des Menschen am ehesten und besten gerecht werden, dann ist es auch nur
selbstverständlich, dass er in diesem Fall auch die Maßstäbe seines ethisch-vernünftigen Handelns so hat nutzen
wollen, dass damit die Demokratie, der Rechtsstaat und die Marktwirtschaft tatsächlich verteidigt werden. Und da
wir nun einmal in einer Zeit leben, da es den Denkern kaum noch möglich ist, den Menschen komplexe und
abstrakte Zusammenhänge theoretisch nahe zu bringen, da wird man ihnen jetzt eben die Vorteile eines ethisch-
reziproken Verhaltens handgreiflich, also mit Hilfe klingender Münze, erklären müssen.

AE: Das ist aber ein sehr gewagter Schluss.
Nd: Mag sein. Aber wir halten ihn dennoch für richtig.

AE: Wie sind denn nun die Aussichten, dass das auch funktionieren wird?
Nd: Wir denken, dass die Chancen gut sind, auch die materielle Erfolgsfähigkeit des kategorischen Imperativs
nachweisen zu können.

AE: Warum ist das so?
Nd: Weil der hohe Spiegelungs- und Dekonstruktionsfaktors, den die mediale Turbowettbewerbsgesellschaft nun
einmal mit sich bringt, alle Rücksichtslosigkeiten in viel kürzerer Zeit auch als solche enttarnt. Es wird auf Grund
der hohen Umlaufgeschwindigkeit die in der post-modernen Superwettbewerbsgesellschaft herrscht, viel eher
möglich sein, noch zu Lebzeiten von seiner vernünftigen Konsequenz zu profitieren, als dies in früheren Phasen
der Fall war.

AE: Es wäre schön, wenn Noah denkt™ noch etwas genauer erläutern könnte, was gemeint ist, wenn von einem
hohen Spiegelungs- und Dekonstruktionsfaktor, bzw. von einer hohen Umlaufgeschwindigkeit in der medial-
geprägten Wettbewerbswirklichkeit die Rede ist.

Nd: Kein Problem. Wir beziehen uns mit dieser Terminologie erstens, auf die zunehmende Schnelllebigkeit, mit
der sich Moden im Turbowettbewerb selbst überholen, zweitens, meinen wir die steigende Vehemenz, mit der die
Medien im Turbowettbewerb gezwungen sind, immer neue Lücken in der Glaubwürdigkeit von Erfolgsbiographien
zu entdecken (Stichwort: Aufdeckung von Skandalen aus Verkaufsgründen), und drittens sehen wir auch ein
within zunehmende Straßenschläue unter den Menschen, welche diese immer besser in die Lage versetzt,
Erfahrungen des Übervorteiltwerdens auch als solche zu erkennen.

AE: Gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass die drei genannten Entwicklungen (sich immer schneller
überholende Moden, verstärkter Enthüllungsjournalismus und zunehmende marktwirtschaftliche Gewieftheit des
Durchschnittsmenschen) so wirklich vorhanden sind. Immerhin wird man ja nicht wenig Phantasie brauchen, um
sich vorzustellen, dass es den ein oder anderen Zeitgenossen geben wird, der gerade das Gegenteil von dem
hier Gesagten (also steigende Kritiklosigkeit im Journalismus, zunehmende Dummheit und Unselbstständigkeit
beim Verbraucher) konstatieren wird.
Nd: Wir kennen hier keine wissenschaftliche Studie, die unsere Thesen verteidigen würde. Wir berufen uns hier
alleine auf unsere persönliche und anektdotische Erfahrung.

AE: Das reicht uns aber nicht
Nd: Uns schon. Und das ist auch der Unterschied zwischen uns. Denn dort, wo unser Alter Ego skeptisch,
zaudernd und zögernd ist, und mithin einem buchhalterischen Sicherheitsdenken Vorschub leistet, da sind wir
mutig und risikobereit, und fördern so eine Unternehmerkultur, die uns allein im Turbowettbewerb weiterhelfen
kann.

AE: Nun, ob uns eine große Zahl gescheiterter Unternehmenslustige tatsächlich weiter bringen wird, das scheint
uns keineswegs sicher.
Nd: Bleiben wir doch lieber erst einmal bei uns selbst. Denn ob wir, das Noah denkt™ -Projekt tatsächlich in
unserem Vorhaben scheitern werden, das ist eben zu diesem Zeitpunkt keineswegs sicher.

AE: Allerdings scheint ein Durchbruch zum Erfolg aber nach wie vor in weiter Ferne zu sein?
Nd: Mag sein. Aber am Ende wird nur das nackte, materielle Ergebnis zählen, das wir einfahren werden. Und bis
dahin bitten wir unser Alter Ego sich einfach nur zu gedulden. Denn einen besseren Weg, als den hier
beschriebenen wird auch unser größter Gegner nicht entwerfen können. Denn zu sehr wird man bei allen
anderen Versuchen, der Freiheit eine Sozialverträglichkeit abzuringen, damit auch deren Wettbewerbsfähigkeit
beschneiden müssen, als dass man dem so errungenen Ausgleich tatsächlich eine nachhaltige
Sozialverträglichkeit wird bescheinigen können.

AE: Na, ja lassen wir das mal dahin gestellt, und bemühen wir uns stattdessen einfach um etwas mehr Geduld.
Nd: Tun wir das. Wunderbar…

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Fußsnote *: Siehe dazu etwa den von Jesus geäusserten Satz: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in
den Himmel kommt“.

Fußnote **:  Siehe dazu etwa den irdischen Erfolg, mit dem sowohl die Glaubenstreue Abrahams, als auch die des Hiob belohnt
wurde.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Ethik des kategorischen Imperativs, Kapitalismus und kategorischer Imperativ, der
kategorische Imperativ in der Wettbewerbsgesellschaft,
Ethik des Reichtums, Sozialverträglichkeit des
Reichtums,
Sozialverträglichkeit von Reichtum, Reichtum und Ethik