Noah denkt™  -
    Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Über den Hungerstreik des bolivianischen Präsidenten Evo Morales
Streitgespräch zwischen Noah denkt™ und seinem Alter Ego, erster Entwurf erstellt am 13.04.,
veröffentlicht am 03.06.2009
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Frage vom Alter Ego vom Noah denkt™ (AE): Es stimmt doch, dass Noah denkt™ der Meinung ist, dass die
Selbstzerstörungsneigungen der Demokratie langfristig nur dann entschärft werden können, wenn die
demokratisch gewählten Führer eines Landes dazu bereit sind, die eigenen Selbstzerstörungstendenzen so
konstruktiv auszubeuten, dass sie damit ihrem Volk eine Rűckbesinnung auf das Gemeinwohl abringen können.
(siehe dazu unsere Novelle: Businessplan Existenzphilosoph)?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Richtig.

AE: Und stimmt es auch, dass dies in der Praxis etwa bedeuten kann, dass die demokratischen gewählten
Volksvertreter zum Mittel des Hungerstreikes greifen dürfen, um ihr Gemeinwesen aus den Klauen sich
wechselseitig lähmender Partikularinteressen zu befreien?
Nd: Es ist richtig, dass wir meinen, dass die Demokratie ohne das Vorbild einer wenigstens beinahe
selbstzerstörerischen Konsequenz nicht dauerhaft Überleben kann. Und so haben wir in diesem Zusammenhang
auch das Mittel des Hungerstreiks nicht explizit ausgeschlossen.

AE: Nicht nur das, Noah denkt™ hat diesen Hungerstreik ja
entgegen der im Businessplan geäußerten
Empfehlungen auch selbst praktiziert!
Nd:  Es stimmt, dass wir uns seinerzeit über die Hinweise im
Businessplan hinweg gesetzt haben, und als noch
nicht Anerkannte den Hungerstreik begonnen haben, um unsere Thesen deutlicher illustrieren zu können.
.
AE: Erfolglos bedient haben, um genau zu sein.
Nd: Stimmt. Kurzfristig hat sich dieses Unterfangen als erfolglos dargestellt, langfristig aber hoffen wir immer noch,
von den seinerzeit gemachten Erfahrungen profitieren zu können.

AE: Wie soll das gehen?
Nd: Na ja, immerhin haben wir durch diese Aktion unsere Hingabebereitschaft doch unmissverständlich
dokumentieren können. Und so wird uns ja nun niemand mehr vorwerfen wollen, dass wir den eigenen Worten
nicht auch die entsprechenden Taten folgen lassen.

AE: Nun, ob das von der Öffentlichkeit tatsächlich so gesehen werden wird, das wollen wir mal dahin gestellt
lassen. Denn natürlich wird man sich doch nach wie vor fragen müssen, ob hier nicht mit den Mitteln eines billigen
Sensationalismus Aufmerksamkeit erzeugt werden sollte.  - Aber lassen wir das. In diesem Dialog soll es uns
nämlich vielmehr darum gehen, zu beurteilen, was von dem nunmehr abgelaufenen  Hungerstreik des
bolivianischen Präsidenten Evo Morales zu halten ist. So möchten wir gerne wissen, ob Noah denkt™ der
Meinung ist, dass dieser Hungerstreik den Thesen des
Businessplans entsprochen hat oder nicht. Hält Noah
denkt™ den Hungerstreik des bolivianischen Präsidenten also für richtig und gerechtfertigt?
Nd: Nun zunächst einmal wollen wir nicht verheimlichen, dass wir uns in diesem Falle insofern bestätigt fühlen, als
wir schon vor einiger Zeit die Erwartung geäußert haben, dass es in Zukunft immer mehr Menschen geben wird,
die mit einem hohen existentiellen Einsatz für ihre Ziele und Rechte eintreten werden.
(siehe die  Einleitung zu unserer
Hall of Fame) Ob wir aber den Hungerstreik von Evo Morales für angemessen und vernünftig halten, das steht auf
einem anderen Blatt. Tatsächlich nämlich sind wir keineswegs davon überzeugt, dass dieser Hungerstreik das
letzte mögliche Mittel ist, mit dem für eine nicht aufgebbare Sache friedlich gekämpft werden kann.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ glaubt nicht, dass die Präsidentschaft von Evo Morales eine einmalige,
nicht zu verschwendende Chance bietet, um der indianischen Bevölkerung Boliviens eine feste (10%)
Repräsentanz im bolivianischen Parlament zu garantieren? Oder, um es noch polemischer zu formulieren: Noah
denkt™ glaubt nicht, dass es legitim ist, mit der Gefährdung des eigenen Lebens für die politische
Mitsprachemöglichkeit der entrechteten, indianischen Minderheiten einzutreten?
Nd: Sicher ist es legitim, die Rechte der indianischen Bevölkerung mit den Mitteln eines gewaltlosen aber
dennoch konsequenten und mithin auch selbstzerstörerischen Widerstands zu verteidigen. Das Problem im Falle
Morales ist aber, das hier nicht ganz klar ist, inwieweit es ihm in dieser Angelegenheit auch um den eigenen
Vorteil, sprich den weiteren Verbleib im Präsidentenamt, geht. Besser gesagt, wir sind uns nicht sicher, ob hier
nicht in Wahrheit eigennützige Ziele auf vermeintlich uneigennützige Art erreicht werden sollen.

AE: Ist es nicht egal, wenn hier Eigennutz mit Uneigennützigkeit vermengt wird, solange unterm Strich das
Ergebnis im Sinne der indianischen Bevölkerung ist.
Nd: Wir bezweifeln, dass es im Sinne der indianischen Bevölkerung ist, wenn sie sich von einem Führer leiten
lässt, dem es eher um sich, als um die Wahrung der Vernunft geht.

AE: Nun ist es ja nicht sicher, dass es ihm hier vor allem um sich selber geht.
Nd: Richtig, aber gerade weil die Möglichkeit nicht unbegründet im Raume steht, dass dies doch der Fall sein
könnte, wird man in diesem Falle schon skeptisch sein müssen.

AE: Welche konkreten Hinweise sind es denn, die Noah denkt™ skeptisch sein lassen?
Nd: Nun da ist einmal die schon erwähnte Tatsache, dass der Herr Morales von seiner gewünschten
Verfassungsreform ja durchaus selber profitieren wird, indem er ja mit großer Wahrscheinlichkeit davon
ausgehen kann, als Präsident wieder gewählt zu werden. Da ist aber auch die Tatsache, dass sich der
bolivianische Präsident nicht selten auch in die Nähe des Populisten Chavez bringt, und schon dadurch dafür
sorgt, dass man an seiner Urteilskraft Zweifel hegen muss. Und schließlich ist da auch der Umstand,  dass sich
Herr Morales weiterhin einem Sozialismus verpflichtet fühlt, der mehr damit zu tun hat, den Einzelnen aus der
Verantwortung für sein Schicksal zu nehmen, als ihn gerade zu dieser Freiheit zu ermuntern.

AE: Und diese Indizienkette genügt Noah denkt™, um sich vom Beispiel Morales zu distanzieren?
Nd: So ist das.

AE: Und man wird Noah denkt™ in diesem Fall nicht vorwerfen können, zu leichtfertig mit seinem Urteil gewesen
zu sein. Immerhin ist es doch so, dass unser Projekt über keinerlei Insiderkenntnisse in Sachen Morales und
Bolivien verfűgt. Wird man sich damit nicht, gerade auch
im Hinblick auf die Zurückhaltung, die man in der
Zentralbankdiskussion noch geübt hat, dem Anwurf aussetzten müssen, zu oberflächlich an die Sache
herangegangen zu sein.
Nd: Nein, in diesem Falle halten wir unsere Intuition für vertretbar.

AE: Weil sie im Kern antisozialistisch ist?
Nd: Weil wir mit dem Sozialismus selbst experimentiert haben, und in dieser Frage tatsächlich meinen, zum Kern
der Sache vorgedrungen zu sein.

AE. Wir bleiben also bei der Ablehnung des Hungerstreiks in diesem Fall?
Nd: Wir bleiben dabei, dass wir nicht von der Vernünftigkeit überzeugt sind, mit der dieses Mittel in diesem Fall
eingesetzt worden ist.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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