Noah denkt™  -
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Das Problem mit der Eröffnungsfeier
Nachklang
zu einem früheren F&A zwischen Noah denkt™ und seinem Alter Ego, erster Entwurf
erstellt am 08.08, veröffentlicht am 09.08.2008
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): Und -,  hat Noah denkt™ sich die Eröffnungsfeier im Fernsehen
angesehen?
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Ja.

AE: Und wie fühlt es sich an, sich nicht an dem Fernsehboykott beteiligt,
den man anderen als Möglichkeit in den
Raum gestellt hat?
Nd: Na ja, sicher war es nicht super konsequent, in diesem Fall der Neugier den Vortritt zu lassen. Allerdings
hatten wir auch nichts Besseres zu tun: Und so scheint es uns also akzeptabel, dass wir uns in diesem Fall recht
konsumistisch verhalten haben.

AE: Es war also eine Neugier, die Noah denkt™ dazu gebracht hat, der Direktübertragung beizuwohnen?
Nd: Ja, natürlich. Denn immerhin hat es uns doch interessiert, zu sehen, wie der chinesische Kaderpatriotismus
die Eröffnungsfeier gestalten wird, und ob es trotz aller Sicherheitsmaßnahmen nicht dennoch zu irgendwelchen
Zwischenfällen kommen wird.

AE: Okay, zu politischen Demonstrationen ist es ja nun nicht gekommen. Wie beurteilt Noah denkt™ das?
Nd: Nun, es ist wohl verständlich, dass im engeren (örtlichen) Umfeld der Eröffnungsfeier keine politischen
Manifestationen gegeben hat. In der Welt allgemein aber hat es diese Proteste ja durchaus gegeben.

AE: Wieso ist es verständlich, dass es im engeren Umfeld der Eröffnungsfeier nicht zu Protesten gekommen ist?
Nd: Weil es dort angesichts des Aufwandes, den die Chinesen betrieben haben, um eine besondere Stimmung zu
erzeugen, nicht angebracht gewesen wäre, die Gastgeber zu brüskieren.

AE: Mit anderen Worten, das Leid der von den Chinesen Unterdrückten hat in dieser Hochglanzinszenierung
keinen Platz gehabt?
Nd: Nein, was hier keinen Platz hatte, das war sicher  die Brüskierung der Gastgeber. Denn, wenn man die
Menschenrechtsverletzungen in China auf Dauer überwinden will, da wird man dies sicher nicht gegen die
einheimische Bevölkerung, sondern nur mit ihr schaffen können. Und so wird man deren Patriotismus in diesem
Fall auch nicht so ohne weiteres verletzen können. Denn zu sehr wird man damit nur ein Unverständnis bewirken
können, als dass man eine Haltung so jetzt noch wird ändern können.

AE: Und was glaubt Noah denkt™, wie sich die in den Gefängnissen sitzenden Dissidenten bei dieser „stillen
Diplomatie“ fühlen?
Nd: Nun es wäre schade, wenn sie sich allein gelassen fühlen. Denn, dass man an sie nicht denken würde, das
wird man wahrlich nicht sagen können.

AE: Und doch hat man ihnen ein Solidarisierungs- und Ermutigungssignal auf diese Weise nicht geschenkt?
Nd: Vielleicht haben die Teilnehmer der Eröffnungsfeier dies nicht getan, aber wir können ja mit der
Veröffentlichung dieses Gespräches das Unsrige dafür tun, dass sich die Entrechteten nicht vergessen fühlen.

AE: Mit anderen Worten, Noah denkt™ meint, dass wir mit unseren bescheidenen Mitteln das tun sollen, was die
Athleten aus diplomatischen Gründen nicht bei der Eröffnungsfeier haben tun können?
Nd: Genau so.

AE: Und es ist nicht vermessen, zu glauben, damit der eigenen Bringschuld genüge getan zu haben?
Nd: Wir meinen nicht.

AE: Und warum?
Nd. Weil wir uns auf diese Weise mehr Engagement für das Leid anderer gezeigt haben, als es diese Anderen
bisher erbracht haben, um unser Dilemma zu beheben.

AE: Was meint Noah denkt™ damit?
Nd: Nun ja, wir leben ja in gewisser Weise auch ein Dissidentenschicksal. Denn auch wir werden doch vom
System nicht wenig an den Rand gedrängt. Und so werden doch auch wir von anderen Freiheitskämpfern ein
wenig Solidarität nun erwarten können. Denn zu sehr haben doch auch wir unsere Existenz dabei riskiert, als
dass man uns jetzt noch wie selbstverständlich würden ignorieren können.

AE: Noah denkt™ glaubt also, dass man unsere Lage mit der von politischen Folteropfern gleichsetzen kann?
Nd: Ein wenig schon. Denn auch, wenn wir in unserer physischen Existenz einigermaßen unbehelligt sind, so wird
man doch den psychischen Druck nicht unterschätzen können, dem wir durch das Nichtanerkannt- und
Nichtverstandensein ausgesetzt sind.

AE: Das ist lächerlich. Denn während es die politischen Gefangenen das Leben kosten kann, wenn sie sich
gegen die Unfreiheit auflehnen, können wir doch unseren Vorlieben immer noch in aller Gemütlichkeit
nachgehen?
Nd: Aber unser Leben und unsere Gesundheit wird uns unser Vorhaben auch kosten können. (siehe dazu
www.jesussirach.com)

AE: Ja, weil wir es selbst so wollen, - und diese Konfrontation aus freien Stücken heraufbeschwören wollen!
Nd: Klar. Aber die politischen Gefangenen haben sich auch aus freien Stücken zu dem Risiko bekannt, dass ihr
Freiheitskampf mit sich bringt?

AE: Sei, es wie es sei, ich kann diese Gleichsetzung nicht akzeptieren.
Nd: Das sei unserem Alter Ego nach seinem Belieben freigestellt.  

AE: Okay, kommen wir also stattdessen zur Eröffnungsfeier an sich: Wie fand Noah denkt™ die Art, wie der
kommunistische Bürokratenpatriotismus dieses Event gestaltet hat?
Nd: Wir sind überrascht und beeindruckt, wie viel Originalität die Kaderchinesen hier an den Tag gelegt haben.
Denn wahrlich gab es doch hier  eine Reihe von Programmpunkten (bzw. Umsetzungen von Programmpunkten),
die man so noch nicht gesehen hat.

AE: Was z.B. hat Noah denkt™ besonders gefallen?
Nd. Z.B. die Trommler am Anfang mit den darin eingearbeiteten Lichteffekten. Oder auch die Art und Weise, wie
das olympische Feuer entzündet wurde.

AE: Musste man nicht damit rechnen, dass sich die Chinesen extrem anstrengen werden, um eine spektakuläre
Feier auf die Beine zu stellen?
Nd: Sicher. Aber, dass ihnen dies auf derlei innovative Weise gelingt, das hätte man so nicht unbedingt erwarten
können.

AE: Was genau hatte Noah denkt™ denn erwartet?
Nd: Nun, wir hatten uns auf sehr viel synchrone Massengymnastik eingerichtet. Dass dieses
Gleichschaltungsspektakel aber auf so kreative Weise dargeboten werden wird, dass hätten wir nicht gedacht.

AE: Führt diese Eröffnungsfeier dazu, dass sich das Bild ändern wird, das Noah denkt™ von China hat?
Nd: Nein.

AE: Mit anderen Worten, das Ganze bleibt ein Ereignis ohne Folgewirkung?
Nd: Ohne Folgewirkung für unser Chinabild. Was es sonst noch an Folgewirkungen geben wird, das wird man
erst mit der Zeit sehen können.
Eine Sache ist uns allerdings aufgefallen, die an dieser Stelle noch angesprochen werden muss.

AE: Und was ist das?
Nd: Es ist dies der Umstand, dass Sandra Maischberger weder der belgische, noch der luxemburgische
Thronfolger bekannt zu sein scheint, und dass sie überdies auch die japanische Kaiserin nicht als solche hat
identifizieren können. Vor allem aber hat es uns erstaunt, dass sie Lula da Silva nicht als Präsidenten Brasiliens
vermutet hat, sondern ihn stattdessen kurzerhand nach Paraguay verfrachtet hat.

AE: Und was lernen wir daraus?
Nd: Wir lernen daraus, dass es mit der Allgemeinbildung wohl nicht weit her ist, die dieser Tage im Journalismus
herrscht.

AE: Und was bedeutet das für uns?
Nd: Dass wir uns nicht darüber wundern müssen, wenn wir von solchen Journalisten einstweilen nicht verstanden
und folglich auch ignoriert werden.

AE: So endet also alles wieder im üblichen Desaster?
Nd: Ja, ja, so kann man das sagen.

AE: Na, Prost Mahlzeit.
Nd: Ja, genau, Prost Mahlzeit.
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Zusatz zu diesem F&A vom 14.08.2008: Wie gut ist es, dass jetzt raus gekommen ist, dass das bürokratische Regime in China
doch nicht gar so kunstbeflissen ist, wie uns dies die Eröffnungsfeier hat suggererien wollen. Denn, wenn die Medien tatsächlich
nicht dahinter gekommen wären, dass es sich bei dem singenden Mädchen um eine reine Textmimin gehandelt hat, und dass die
pyrotechnischen Fußabdrücke vom Band abgespielt wurden, dann hätte man den Glauben an die Vorhersehbarkeit menschlichen
Handelns ja tatsächlich noch verlieren können.
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Zusatz zu diesem F&A vom 28.08.2008: Mittlerweile ist raus gekommen, dass auch in Sydney 2000 bei der Eröffnungsfeier Musik
vom Band eingespielt und nicht alles echt gewesen ist.  Mit anderen Worten das Verhalten der chinesischen Machthaber in Sachen
singendes oder nicht singendes Mädchen ist so einzigartig nicht.