Noah denkt™  -
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Sind wir noch angemessen zu regieren?
Dialog mit dem Alter Ego über die schweren Zeiten, erster Entwurf erstellt am 13.09.,
veröffentlicht am 16.09.2010
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Frage vom Alter Ego von Noah denkt™ (AE): In der jüngeren Vergangenheit hat es mehrere Diskussionsrunden
zur Frage der Führungsqualität von Politikern gegeben. (Anne Will vom 12.09, Maischberger vom 01.09.) Auch
Noah denkt™ hat sich zum Thema
Politikerverschleiß ja schon geäußert. Dennoch erscheint es uns wichtig, hier
noch mal neu auszuholen. Immerhin geht es bei dieser Debatte ja implizit um die Frage, ob es der Demokratie
tatsächlich noch gelingen kann, den platonischen Kreislauf der Systeme zu stoppen, und auf demokratische
Weise den Verfall der Freiheit in die Anarchie der Partikularinteressen zu verhindern.
Antwort von Noah denkt™ (Nd): Es ist gut, dass unser Alter Ego diese Frage noch einmal aufs Papier bringt.

AE: Also, was ist denn nun von diesen Thesen zu halten, die einen Qualitätsverlust bei den Politikern feststellen
wollen?
Nd: Nun, zunächst einmal muss man feststellen, dass es wahrlich schwieriger geworden ist, in unserer Welt gute
Politik zu machen. Das soll nicht heißen, dass es früher leicht gewesen ist. Aber heute hat man es eben mit einer
Welt zu tun, in der es erstens so ist, dass der Einzelne psychologisch immer mehr auf sich selbst zurückgeworfen
ist, so dass er nicht mehr wie selbstverständlich teamfähig, sozialverträglich und konsensbereit ist. Und zweitens
ist es so, dass die Zusammenhänge in unserer interdependenten Welt derart komplex geworden sind, dass es
darin kaum noch möglich ist, jene unumstößlichen Überzeugungen zu entwickeln, die ein entschlossenes
Politikerhandeln braucht.

AE: Wie kann denn angesichts dieser Diagnose, die Demokratie noch auf demokratische Weise gerettet werden?
Nd: In dem man,
wie wir das früher schon gesagt haben, die immanenten Selbstzerstörungsneigung der
Demokratie dadurch eindämmt, in dem man ihr die konstruktive Ausbeutung der eigenen
Selbstzerstörungsneigungen entgegen setzt.
(Siehe dazu auch unsere Philosophie des kapitalistischen Existenzialismus)

AE: Was bedeutet das konkret?
Nd: Das bedeutet konkret, dass man als zukünftiger Politiker schon Erfahrung darin gesammelt haben sollte, die
eigene Existenz aufs Spiel gesetzt zu haben, bevor man überhaupt die politische Verantwortung sucht. Denn nur,
wenn man bereits erlebt hat, dass es funktionieren kann, wenn man eigene Versorgungs- und Karriereängste
hinten anstellt, und stattdessen  darauf setzt, dass sich eine Qualität am Ende schon wie von selbst durchsetzen
wird, dann wird man im Falle des Falles auch das Führungsrückrat haben können, zu seinen gründlich
erarbeiteten Überzeugungen auch dann noch zu stehen, wenn dies für einen selbst eigentlich schon unerträglich
geworden ist.

AE: Werden denn diejenigen, die nicht auf eine Karrierewendigkeit setzen, und sich stattdessen einer Gottesurteil-
Vermarktungsfolter stellen, bevor sie in die Politik gehen, überhaupt das Berufspolitikermilieu genügend gut
kennen lernen können, um sich später darin auch angemessen zu bewegen? Oder ist es nicht eher so, dass die
Betreffenden schnell zu selbstverliebten Hasardeuren (Stichwort Berlusconi) werden, die vor lauter narzisstischen
Kränkungen nicht mehr zu einem vernünftigen Regierungshandeln fähig sind?
Nd: Diese Gefahren muss man sehen. Deshalb ist es wichtig, genau hinzugucken, wie die biographische
Gottesurteilfolter konkret ausgesehen hat, der sich der spätere Verantwortungsträger ausgesetzt hat. Wenn hier
den Kriterien des kritischen Rationalismus, also Offenheit, Nachvollziehbarkeit und Ehrlichkeit im Ringen um
Qualität genüg getan wurde, dann sollte es bei der Frage seiner Vernunftfähigkeit keine Probleme geben.

AE: Dennoch stellt sich ja die Frage, ob denn die Gottesurteilfolter selbst, sozialverträglich ist. Immerhin wird ja
nicht jede dieser Vorhaben am Ende auch gut ausgehen. Kann man sie deshalb anderen guten Gewissens
empfehlen?
Nd: Nein, jeder muss für sich selbst entscheiden, was für ihn richtig ist. Und jeder muss auch auf seine Weise in
seine je persönliche Gottesurteilfolter hineinwachsen. Denn nur, wenn das alles zu ihm passt, dann wird er auch
den belastbaren Glauben entwickeln können, dass dieses und jenes Experiment am Ende gut gehen kann.

AE: Kann man das hier gesagte also so zusammenfassen, dass man sagt, dass der Kern eines guten
Politikerhandelns darin besteht, wie der Betreffende mit seinen Selbstzweifeln umgeht.
Nd: So kann man das sagen. Denn natürlich werden es immer wieder gerade die innersten, und grundlegendsten
Überzeugungen sein, die vom Dasein am meisten auf die Probe gestellt werden. Und so wird es also für ein
Führungshandeln nicht selten darum gehen, auch dann noch sich selbst treu zu bleiben, wenn die meisten,
vermeintlich untrüglichen Evidenzen, gerade das Gegenteil angeraten scheinen lassen. Solche
Herausforderungen wird man nur bestehen können, wenn man sich genau darauf auch vorbereitet hat. Daher
wird eine verantwortungsvolle Vorbereitung auf den Politikerberuf nicht auf eine ehrliche Gottesurteilfolter
verzichten können. Aus dem Stand jedenfalls wird man sich hier kaum behaupten können.
© Landei Selbstverlag, Inh. Wilhelm Leonards, Gerolstein

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Stichworte

Qualität des politischen Personals, demokratische Führungsqualität, Selbstzerstörung der
Demokratie, Selbstzerstörungsneigung der Demokratie, Qualität des demokratischen Führungspersonals,
Herausforderung der demokratischen Führung, Qualität von Berufspolitikern, Kritik an
Berufspolitikern
, Platons Kreislauf der Systeme