Noah denkt™ - Projekt für Wirtschaftsbeurteilungen
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Haben Sie jemals im Internet Pornographie heruntergeladen?
Aperçu über den sog. „Vetting“-Prozess bei der Auswahl von Vize-Präsidentschaftskandidaten
in den USA, erster Entwurf erstellt am 04.09, veröffentlicht am 09.09.08
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„Haben Sie jemals im Internet Pornographie heruntergeladen?“* „Sind Sie ihrem Ehepartner jemals untreu
gewesen?“ „Haben Sie jemals für Sex bezahlt?“** - Wenn Sie es akzeptieren, dass Ihnen diese Fragen
routinemäßig gestellt und Sie diese auch noch beantworten müssen, um als Vizepräsidentschaftskandidat
ausgewählt zu werden, dann sind Sie, nach Meinung von Noah denkt™ für die Aufgabe des
Oberkommandierenden der Streitkräfte ungeeignet. - Ja, man wird sogar noch einen Schritt weitergehen und
behaupten müssen, dass Sie als Oberkommandierender der Streitkräfte auch dann ungeeignet sind, wenn Sie es
zulassen, dass solche Fragen im Vizepräsidentschaftssuchverfahren standardisiert und wie selbstverständlich
gestellt werden
Warum ist derjenige, der ein Fragebogenverfahren mit solchen Fragen zulässt, für das Amt des Oberkommandierenden
ungeeignet?
Das ist so, weil der, der dieses tut, nicht das Rückrat hat, um sich gegen eine allgemeine Dummheit zur Wehr zu
setzen, und weil er damit auch nicht die Größe besitzt, um jene einsamen Krieg und Frieden-Entscheidungen so
angemessen zu treffen, wie es sich für einen verantwortungsbewussten Oberkommandierenden gehört. Denn
natürlich wird ein oberster Verantwortungsträger auch dann und wann etwas tun müssen, was ihm von seinen
wichtigsten Ratgebern so nicht empfohlen worden ist. Und so wird er sich in diesem Fall am Konventionellen auch
gar nicht ohne weiteres orientieren können. Denn zu sehr wird nur er die wahre Last der Verantwortung auch
spüren können, als dass er sich zu dieser jetzt nicht auch in voller Autonomie wird bekennen müssen.
Aber bedeutet dies nicht im Umkehrschluss, dass in den vergangenen Jahrzehnten keinen amerikanischen Präsidenten und
Vize-Präsidenten gegeben hat, der für das Amt des Oberkommandierenden wirklich geeignet war?
Wenn es so ist, und derlei Fragen im sog. „Vetting“-Prozess tatsächlich fragenbogenartig gestellt worden sind,
dann wird man dies leider so sehen müssen.*** - Ja, man wird sogar noch einen Schritt weitergehen und
behaupten müssen, dass eine Demokratie, die es notwendig macht, dass solche Verfahren angewendet werden
müssen, um eines ihrer höchsten Ämter überhaupt erreichen zu können, ihre Peilung längst verloren hat. Und so
wird man sich denn auch sicher sein können, dass selbige ihren eigenen Untergang kaum noch wird verhindern
können. Denn zu sehr haben hier die Partikularinteressen schon die Überhand bekommen, als dass man das
Allgemeinwohl jetzt noch angemessen wird verteidigen können.
Platons Kreislauf der Systeme
So wird man es denn an dieser Stelle nicht verhindern können, ein neuerliches Mal auf die Idee des Kreislaufs
der Systeme hinzuweisen, wie sie Platon schon vor mehr als tausend Jahren entwickelt hat. Denn tatsächlich wird
man ja nicht von den Hand weisen können, dass es tatsächlich so sein kann, wie es Platon Sokrates sagen lässt,
und eine Demokratie wesensartig in die Anarchie führen müsse, dass aus dieser Anarchie zwangsläufig eine
Diktatur hervorgehen müsse, und dass diese Diktatur wie selbstverständlich wieder einer Demokratie weichen
müsse. Denn zu sehr ist im Gegenwärtigen, der Samen des Nächsten schon erhalten, als dass man dessen
Aufstieg jetzt noch so ohne weiteres wird verhindern können. ****
Nun wird man sich natürlich auf den Standpunkt stellen und behaupten können, dass das, was vor mehr als
tausend Jahren gedacht worden ist, unserer Wirklichkeit nicht mehr gerecht werden kann. Und so wird sich denn
der eine oder andere darauf berufen wollen, dass es gerade der freie Markt doch sei, der die antagonistischen
und selbstzerstörerischen Kräfte ausgleichen kann. Denn zu sehr würde doch im Ringen von Bullen und Bären
die wahre Vernunft gefunden werden, als dass man sich um deren Erhalt jetzt noch wird hier sorgen müssen.
Denen aber, die so denken, denen wird man sagen müssen, dass der freie Markt seine ausgleichende Kraft nur
dann auch entfalten kann, wenn man darin auch dem Unpopulären ein Gehör verschafft. Und so wird man denn
gerade auch von den Status quo-Verteidigern erwarten müssen, dass sie sich nicht im Üblichen wie
selbstverständlich verstecken wollen. Denn zu wenig werden sie in diesem Fall die Antithese gefördert haben, als
das aus deren Dialektik jetzt noch eine freie Synthese wird entstehen können.
Nein, wer hier der Wahrheit die Ehre geben will, der wird sehen müssen, dass die Travestie der Freiheit schon
recht weit fortgeschritten ist. Und so wird man den in Rede stehenden „Vetting“-Prozess auch gar nicht ohne
weiteres akzeptieren können. Denn zu sehr ist hier die Ungeheuerlichkeit schon zum System geworden, als dass
man diese jetzt noch so ohne weiteres wird überwinden können.
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Fußnote*: Achtung hier wird nicht nach Kinderpornographie gefragt, sondern nach Pornographie allgemein. Denn, wenn hier nach
Kinderpornographie gefragt würde, wäre diese Frage vertretbar. Denn dann nämlich wäre es ein Gesetzesverstoss, nach dem hier
gefahndet wird.
Fußnote**: Hierzu wird man wissen müssen, dass in In Las Vegas/Nevada Prostitution hier und da erlaubt ist. Und so wird man
diese Frage auch nicht mit moralisch erhobenen Zeigefinger stellen dürfen.
Fußnote***: Ein anderer Fall ist es natürlich, wenn derlei Fragen in einem vertrauten, persönlichen Umgang miteinander hier und
da einmal zur Sprache gekommen sind. Denn dann nämich ist diese Erörterung Teil einer freundschafts- und vertrauensbildenden
Auseinandersetzung. Wenn diese Privatsphäre aber geschäftsmässig im Rahmen eines Executive Search-Verfahrens
durchbrochen wird, dann wird man dies ohne Einschränkung auch als unqualifiziert benennen müssen.
Fußnote ****: Platon: Der Staat; Stuttgart, 1982, Achtes Buch, S. 379 ff (oder 555a ff nach Stephanus-Ausgabe 1578)
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